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17 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
202480/35 Music Festival 2024
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
80/35 Music Festival klingt zunächst wie ein Straßenschild, doch hinter dem Namen steckt eine klare kulturelle Idee. Benannt nach den Interstates 80 und 35, die sich bei Des Moines, Iowa, kreuzen, verwandelte das Festival einen geografischen Punkt in ein musikalisches Statement. Gute Musik muss nicht nur an den Küsten, in riesigen Metropolen oder auf den großen internationalen Festivalrouten stattfinden. Sie kann auch mitten im Midwest entstehen, dort, wo Highways, Nachbarschaften, lokale Bands, Tournee-Acts und freiwillige Helfer aufeinandertreffen.
Gegründet wurde 80/35 im Jahr 2008 von der Greater Des Moines Music Coalition. Die erste Ausgabe fand als zweitägiges Festival in Downtown Des Moines statt, mit The Flaming Lips und The Roots als Headlinern. Von Beginn an trug das Festival zwei Identitäten in sich. Es wollte groß genug sein, um nationale Künstler nach Iowa zu holen, aber nie so groß, dass die lokale Szene zur Nebensache wurde. Sein Ziel war nicht nur ein starkes Wochenende, sondern eine stärkere, vielfältigere Musikkultur in Des Moines.
Über viele Jahre war 80/35 eng mit dem Western Gateway Park und den umliegenden Straßen im Zentrum der Stadt verbunden. Diese Lage prägte das Festival entscheidend. Es war kein abgelegenes Gelände, auf dem man die Stadt hinter sich ließ, sondern ein Festival, das mitten in Des Moines stattfand. Man konnte zu Fuß kommen, mit dem Fahrrad, mit Freunden aus der Nachbarschaft oder nach einer längeren Fahrt aus anderen Teilen des Midwest. Es gab kostenfreie Bühnen und eine bezahlte Mainstage, wodurch das Festival offen und durchlässig blieb. Auch wer kein komplettes Ticket hatte, konnte Musik hören, lokale Organisationen treffen oder einfach Teil der Atmosphäre werden.
Gerade diese Mischung machte 80/35 besonders. Es war großes Konzert, Entdeckungsraum und Nachbarschaftsfest zugleich. Musikalisch bewegte es sich zwischen Indie Rock, Hip Hop, Alternative Pop, Soul, Roots, Jam, regionalen Acts, experimentelleren Momenten und jungen Künstlern aus Iowa. Manche Besucher kamen für den größten Namen auf dem Plakat. Andere kamen, weil sie darauf vertrauten, dass das Festival ihnen etwas zeigte, das sie vorher nicht kannten. Oft entstand der stärkste Moment nicht bei dem Act, den man geplant hatte, sondern an einer freien Bühne, auf dem Weg zum Essen oder in einer Pause zwischen zwei größeren Konzerten.
Die Community-Idee war bei 80/35 nicht nur eine nette Erzählung. Die Des Moines Music Coalition verband das Festival mit Bildungsprogrammen, Jugendmusikangeboten, Mentoring und beruflicher Entwicklung für lokale Musiker und Musikschaffende. Freiwillige waren ein zentraler Teil des Betriebs. Lokale Organisationen bekamen Sichtbarkeit. Künstler aus Iowa wurden nicht als Füllmaterial behandelt, sondern als ein Grund, warum das Festival überhaupt existierte. In einer Festivalwelt, die oft nur auf Headliner, Ticketpreise und Reichweite schaut, setzte 80/35 andere Werte in den Vordergrund: Zugänglichkeit, Entdeckung, lokale Identität und das Vertrauen, dass eine Stadt ihre eigene Szene tragen kann.
Vor Ort fühlte sich das Festival nach einem echten Juli-Wochenende im Midwest an. Hitze, Zeitpläne in der Hand, Treffpunkte, die nicht funktionieren, Kinder mit Gehörschutz, lange Wege zwischen Bühnen, Foodtrucks, Gespräche mit Leuten, die man zufällig trifft, und dieser kleine Moment, wenn eine unbekannte Band plötzlich viel besser ist als erwartet. 80/35 musste nicht wie ein luxuriöses Lifestyle-Festival wirken. Sein Reiz lag darin, dass es in eine echte Stadt eingebettet war, mit deren Wärme, Unordnung und Offenheit.
Die Pandemie veränderte den Verlauf des Festivals deutlich. Die Ausgaben 2020 und 2021 wurden abgesagt. 2022 kehrte 80/35 mit Namen wie Father John Misty, Charli XCX, Japanese Breakfast und Future Islands zurück, doch der wirtschaftliche Rahmen hatte sich verschoben. Produktionskosten stiegen, Publikumsverhalten änderte sich, und unabhängige Festivals gerieten stärker unter Druck. 2024 folgte die größte räumliche Veränderung: der Umzug von Downtown Des Moines nach Water Works Park. Dort gab es mehr Grünflächen, das Lauridsen Amphitheater, Camping, Foodtrucks, eine Kids Zone, ein Hammock Village und mehr Platz für eine mögliche Zukunft. OK Go und Killer Mike führten diese Ausgabe an.
Doch diese Zukunft blieb unsicher. Nach der Ausgabe 2024 löste sich die Greater Des Moines Music Coalition auf, und 2025 fand das Festival nicht statt. Die offizielle Website zeigt zwar aktuell Termine für 2026, enthält aber auf mehreren Unterseiten noch ältere Informationen. Ohne klar bestätigten Betreiber, Ticketverkauf und Line-up sollte 80/35 deshalb nicht als vollständig aktiv eingeordnet werden, sondern als Festival mit ungewisser Zukunft.
Sein Vermächtnis bleibt trotzdem stark. 80/35 war mehr als ein Sommertermin in Iowa. Es war ein Versuch, Musik als gemeinschaftlichen Treffpunkt zu denken: nationale Künstler neben lokalen Bands, freie Bühnen neben Mainstage-Momenten, Innenstadtleben neben Festivalenergie. Am Ende steht die Erinnerung an ein Festival, das aus einem Highway-Kreuzungspunkt einen kulturellen Treffpunkt machte.
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