Ranking
#1.256
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6 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
All Together Now Festival besitzt eine Eigenschaft, die viele Festivals suchen und nur wenige wirklich erreichen: Es wirkt groß, ohne unpersönlich zu werden. Auf Curraghmore Estate im County Waterford nutzt das Festival ein historisches irisches Anwesen wie eine Parallelwelt, in der Musik nicht von Landschaft, Essen, Kunst, Gesprächen, Comedy, Wellness und dem Gefühl getrennt ist, für ein paar Tage zu entkommen, ohne den Kontakt zu einer echten Gemeinschaft zu verlieren. Der Name ist nicht nur eine schöne Formel. Er fasst ziemlich genau zusammen, was das Festival versucht: unterschiedliche Publika unter einer Atmosphäre der Entdeckung zusammenzubringen.
Seit seiner ersten Ausgabe 2018 hat sich All Together Now als erwachsenere, neugierige und sinnliche Alternative im irischen Festivalkalender aufgebaut. Es ist kein Festival, das nur davon lebt, riesige Namen in großen Buchstaben zu platzieren, obwohl es solche Namen hat. Seine Stärke liegt darin, legendäre Künstler, Kultfiguren, Dance-Elektronik, zeitgenössische irische Musik, Folk-Stimmen, Post-Punk, Jazz, Reggae, Spoken Word, Alternative Pop, Essen, Talks und Familienerlebnisse miteinander zu verbinden. Mehr als eine Liste von Konzerten wirkt es wie ein Wochenendprogramm, das auf Bewegung, Umherstreifen und Überraschung angelegt ist.
Der Ort ist entscheidend. Curraghmore Estate ist kein neutrales Gelände. Es ist ein großes, grünes Anwesen mit Geschichte, Gärten, Wegen, Bäumen, alter Architektur und einer Größe, die dem Festival Luft gibt. An einem solchen Ort verändert Musik ihre Temperatur. Ein elektronisches Set fühlt sich anders an, wenn man zuvor zwischen Bäumen gegangen ist; ein Folk-Song landet anders, wenn die Landschaft ihm zu antworten scheint; ein Gespräch, eine Mahlzeit oder ein Wellness-Bereich hören auf, bloße “Extras” zu sein, und werden Teil des Weges. All Together Now versteht, dass ein Boutique-Festival nicht nur programmiert wird. Es wird bewohnt.
Die Ausgabe 2026 zeigt die DNA des Festivals sehr klar. Pulp bringen Britpop-Erinnerung, schräge Eleganz und eine besondere Beziehung zu Menschen, die Musik als generationelle Erzählung verstehen. Kneecap bringen eine ganz andere irische Energie: politisch, sprachlich, hip-hop-getrieben, respektlos, chaotisch und kulturell hochaktuell. Disclosure, Underworld, Floating Points, Mall Grab, Joy Orbison, Job Jobse, Annie Mac und Kerri Chandler tragen die elektronische Säule des Festivals, von House und Garage bis Rave, Club Culture und tieferen Texturen. Gleichzeitig verbinden Christy Moore, The Mary Wallopers, Damien Dempsey, For Those I Love, Soda Blonde, Sprints, Gurriers und Gilla Band unterschiedliche Schichten irischer Identität, von Tradition bis urbanem Lärm.
Gerade dieses Nebeneinander macht All Together Now besonders. An einem einzigen Wochenende können Menschen zusammenkommen, die wegen Pulp, Underworld, Christy Moore, Kneecap, Ezra Collectives Jazz, Barrington Levys Reggae, Self Esteems Art-Pop, Kae Tempests poetischer Intensität oder einfach wegen zwanzig noch unbekannter Namen anreisen. Das Festival zwingt nicht zu einer einzigen Szene. Es baut vielmehr ein Gespräch zwischen Szenen: alte politische Lieder und elektronische Nächte, Folk-Punk und House, Post-Rock und Spoken Word, Familienleben am Tag und Dancefloor in der Nacht.
Auch das Bekenntnis zu irischem Talent ist wichtig. All Together Now behandelt die lokale Szene nicht als dekoratives Füllmaterial. In den jüngeren Line-ups und auch 2026 ist die irische Präsenz stark, sichtbar und an wichtigen Stellen des Programms platziert. Dadurch erhält das Festival eine Identität, die sich nicht einfach unverändert in ein anderes Land übertragen ließe. Auch wenn internationale Namen anreisen, bleibt sein Puls irisch: in der Art des Singens, im Humor, in der mündlichen Tradition, in der Mischung aus Melancholie und Fest, im Gemeinschaftssinn und in jener Fähigkeit irischer Musik, vom Flüstern zum kollektiven Ausbruch zu wechseln.
Die tatsächliche Erfahrung von All Together Now dürfte weniger wie eine Jagd nach Headlinern wirken als wie eine persönliche Drift. Man kann den Tag mit gut kuratiertem Essen beginnen, bei Curious Minds in ein Gespräch geraten, ein unerwartetes Set entdecken, Comedy sehen, in einem grünen Bereich ausruhen, am Nachmittag einem Songwriter zuhören, nach Einbruch der Dunkelheit zu Elektronik tanzen und schließlich mit Fremden sprechen, als kenne man sie schon lange. Dieser Rhythmus, mehr noch als das Line-up allein, macht ein Festival erinnerungswürdig.
All Together Now ist wichtig, weil es eine reife Version des zeitgenössischen Festivals verkörpert. Es verzichtet nicht auf starke Line-ups, reduziert aber auch nicht alles auf das Line-up. Es versteht, dass das Publikum Musik will, ja, aber auch Landschaft, Sorgfalt, Entdeckung, Geschmack, Gemeinschaft und das Gefühl eines vollständigen Wochenendes. Das stärkste Bild ist nicht nur ein Headliner vor Tausenden Menschen, sondern Curraghmore für ein paar Tage im Licht: Bühnen zwischen Bäumen, irische Stimmen im Dialog mit globaler Elektronik, Familien am Tag, tanzende Körper in der Nacht und die Gewissheit, dass ein gut kuratiertes Festival vereint wirken kann, ohne gleichförmig zu werden.
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