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2 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Barcelona Rocks entstand, weil im Festivalkalender plötzlich eine Lücke offenstand. Die Umgestaltung des Parc de Can Zam in Santa Coloma de Gramenet machte es 2023 unmöglich, das Barcelona Rock Fest in seiner gewohnten Form auszurichten. Mehrere Tage, große Open-Air-Bühnen und ein umfangreiches Programm zwischen Hard Rock und Heavy Metal waren an diesem Ort nicht realisierbar. Statt den Sommer ganz ohne ein verbundenes Rockereignis verstreichen zu lassen, entwickelte die Organisation eine eintägige Übergangslösung.
Zunächst war Barcelona Rocks dennoch als vollwertiger Festivaltag angelegt. Für den 8. Juli 2023 wurden im Palau Olímpic de Badalona mehr als zehn Stunden Livemusik angekündigt. Scorpions und Saxon führten ein Programm mit sechs Bands an, zu dem außerdem Angelus Apatrida, Eclipse, H.E.A.T. und Ross the Boss gehörten. Die Zusammenstellung verband klassischen europäischen Heavy Metal, britische Szenehistorie, melodischen Hard Rock aus Schweden und den deutlich aggressiveren spanischen Thrash Metal.
Kurz vor dem Termin änderte sich das Konzept jedoch grundlegend. Die Veranstaltung wurde von Badalona in den Sant Jordi Club auf dem Montjuïc verlegt. Die neue Halle war wesentlich kleiner, bereits gekaufte Eintrittskarten wurden in Stehplatztickets umgewandelt und H.E.A.T. sowie Ross the Boss fielen aufgrund technischer und zeitlicher Anpassungen aus dem Programm. Aus einem langen Festivaltag mit sechs Gruppen wurde eine kompakte Folge von vier Konzerten.
Bei einem Teil des Publikums sorgte das verständlicherweise für Ärger. Veranstaltungsort, Dauer und Line-up unterschieden sich deutlich von der ursprünglichen Ankündigung. Barcelona Rocks begann deshalb mit einem Widerspruch: Die Veranstaltung sollte die Bindung zur Metal-Community erhalten, musste dieser Community aber gleichzeitig erhebliche Änderungen zumuten. In der Halle selbst trat der Streit jedoch zunehmend in den Hintergrund.
Der Weg hinauf zum Montjuïc gehörte an diesem heißen Julitag bereits zur Erfahrung. Danach konzentrierte sich alles auf einen geschlossenen Raum und eine einzige Bühne. Es gab keine langen Wege über ein Festivalgelände, keine Überschneidungen und keine Entscheidung zwischen parallel auftretenden Bands. Wer den Sant Jordi Club betreten hatte, blieb Teil einer dichten, gemeinsamen Abfolge von Konzerten.
Eclipse eröffnete den Abend mit melodischem Hard Rock, klaren Refrains und einer unmittelbaren, publikumsnahen Energie. Angelus Apatrida verschärften anschließend das Tempo. Die Band aus Albacete brachte technisch präzisen Thrash Metal in die Halle und sorgte dafür, dass aus dem zunächst beobachtenden Publikum eine deutlich aktivere Menge wurde.
Saxon bildeten die direkte Verbindung zur New Wave of British Heavy Metal. Ihre Stücke funktionierten ohne Umwege: markante Riffs, kraftvolle Rhythmen und Refrains, die viele Anwesende seit Jahrzehnten kennen. Im Publikum trafen langjährige Metal-Fans auf jüngere Besucher, die dieselben Songs erst wesentlich später entdeckt hatten. Dadurch entstand weniger eine nostalgische Rückschau als ein gemeinsames Erleben verschiedener Generationen.
Scorpions übernahmen den Abschluss. Die deutsche Band verband Material des Albums Rock Believer mit Liedern, die längst zum allgemeinen Rockgedächtnis gehören. Bei „Still Loving You“, „Wind of Change“ und „Big City Nights“ verwandelte sich der Sant Jordi Club in einen großen Chor. Die organisatorischen Schwierigkeiten waren damit nicht vergessen, doch sie verloren für einige Zeit ihre Bedeutung.
Barcelona Rocks entwickelte sich nicht zu einem eigenständigen, jährlich wiederkehrenden Festival. Dafür war die Veranstaltung von Anfang an zu eng mit dem vorübergehenden Ausfall des Barcelona Rock Fest verbunden. Sie blieb eine einmalige Brücke: kleiner und kürzer als angekündigt, begleitet von kontroversen Änderungen, aber dennoch in der Lage, die lokale Rock- und Metal-Gemeinschaft für einen Sommerabend zusammenzubringen. Ihr Charakter lag gerade darin, keine neue Tradition begründen zu wollen, sondern eine bestehende Verbindung aufrechtzuerhalten, bis das ursprüngliche Festival zurückkehren konnte.
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