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2026
Top-Künstler
Lineup folgt — wir veröffentlichen es sobald es bestätigt ist.
10 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Viele Festivals bauen für einige Tage eine eigene Stadt und lassen ihr Publikum darin leben. BST Hyde Park funktioniert beinahe umgekehrt. Mitten in einem der bekanntesten Parks Londons entsteht ein riesiges Konzertgelände, während die eigentliche Stadt nur wenige Minuten entfernt bleibt. Es gibt keinen Campingplatz und keine Reise aufs Land. Man kommt mit der Underground, läuft durch Hyde Park, passiert die Eingänge und steht plötzlich vor der Great Oak Stage mit Zehntausenden anderen Menschen. Nach dem letzten Song verteilt sich diese Menge wieder über London. Wenige Tage später kann derselbe Teil des Parks von einem Publikum übernommen werden, das musikalisch und generationell kaum etwas mit dem vorherigen gemeinsam hat.
Begonnen hat diese Geschichte 2013 als British Summer Time Hyde Park. Bereits im ersten Jahr machten Namen wie The Rolling Stones und Bon Jovi deutlich, dass die Veranstaltung nicht klein anfangen wollte. Hyde Park hatte zu diesem Zeitpunkt längst eine außergewöhnliche Konzertgeschichte, von den großen kostenlosen Rockshows früherer Jahrzehnte bis zu einzelnen monumentalen Auftritten. BST machte daraus jedoch einen wiederkehrenden Sommertermin. Statt darauf zu warten, dass gelegentlich ein besonderer Künstler den Park auswählte, entstand eine mehrwöchige Struktur, in der mehrere internationale Headliner nacheinander denselben temporären Konzertort nutzen konnten. Damit wurde Hyde Park vom gelegentlichen Schauplatz zum festen Bestandteil des britischen Festivalsommers.
Die Bezeichnung Festival ist richtig, beschreibt das Modell aber nur teilweise. BST besteht eher aus mehreren eigenständigen Festivaltagen als aus einem einzigen Wochenende mit identischem Publikum. Jeder Termin besitzt einen Headliner, passende Support-Acts und weitere Bühnen. Ein Black-Sabbath-Publikum musste deshalb nie dieselben Interessen haben wie Fans von Taylor Swift. Blur, The Who, Céline Dion, Stevie Wonder, Adele, BLACKPINK oder Lana Del Rey konnten im selben Park spielen, ohne dass ihre Musik unter eine gemeinsame Genreidee gezwungen werden musste. Der Zusammenhalt entsteht durch Größe und Ort. Wer hier als Headliner auftritt, erhält für einen Tag eine eigene Version von Hyde Park und bringt die entsprechende Community gleich mit.
Der Park selbst bestimmt den Ablauf stärker, als die bloße Adresse vermuten lässt. Die Great Oak Stage bildet spätestens am Abend den klaren Mittelpunkt des Geländes, während vorher kleinere Bühnen, Essensstände, Bars und Hospitality-Bereiche einen langen Festivaltag ermöglichen. Die Hauptshows sind reine Stehveranstaltungen. Die Wege sind überschaubarer als bei riesigen Campingfestivals, doch bei mehreren Zehntausend Besuchern entscheidet der Zeitpunkt, zu dem man sich vor der Hauptbühne positioniert, durchaus über das Erlebnis. Nach dem Konzert verschwindet die Festivalwelt sehr schnell. Niemand muss zu einem Zelt zurücklaufen; Besucher ziehen zu U-Bahn-Stationen, Bussen, Hotels, Restaurants und Pubs. London übernimmt innerhalb weniger Minuten wieder die Kontrolle über sein Publikum.
Unter der Woche erhält das Gelände mit Open House eine zweite Funktion. Dann stehen Teile der temporären Infrastruktur kostenlos zur Verfügung und werden für Wimbledon-Übertragungen, Open-Air-Kino, Sport, Familienangebote, DJs und andere Aktivitäten genutzt. Das verändert die soziale Bedeutung des Ortes erheblich. Eine Bühne, vor der am Wochenende ein weltweiter Superstar steht, kann wenige Tage später Hintergrund für Menschen sein, die Tennis schauen oder an einem Fitnessangebot teilnehmen. Dadurch bleibt der Veranstaltungsbereich zwischen den kostenpflichtigen Konzerten nicht einfach geschlossen. Gleichzeitig entsteht eine Verbindung zum normalen Parkleben, die einem kommerziellen Großevent in einer öffentlichen Grünanlage zusätzliche Legitimität und einen ungewöhnlich breiten Tagesrhythmus gibt.
Die Pandemie unterbrach diese jährliche Routine stärker als jedes andere Ereignis. 2020 wurde BST Hyde Park abgesagt, und auch 2021 konnte die Konzertreihe nicht stattfinden. 2022 kehrte sie zurück und zeigte in den folgenden Jahren schnell, dass sie nicht auf die großen Namen vergangener Jahrzehnte angewiesen war. Bruce Springsteen und Guns N’ Roses konnten neben P!nk, BLACKPINK, SZA, Stray Kids, Sabrina Carpenter oder Olivia Rodrigo stehen. Diese Kombination hält die Veranstaltung generationell beweglich. Klassische Acts bringen jahrzehntelange Geschichte mit, während aktuelle Pop- und K-Pop-Stars ein Publikum erreichen, das 2013 teilweise noch zu jung gewesen wäre, um überhaupt ein Festival allein zu besuchen.
2026 wurde diese Bandbreite besonders sichtbar. Garth Brooks eröffnete die Ausgabe vor ungefähr 65.000 Menschen und spielte erstmals seit dreißig Jahren wieder in Großbritannien, wodurch Hyde Park für einen Tag zum Country-Großereignis wurde. Bereits am Sonntag folgte ATEEZ mit ihrem ersten britischen Festival-Headline-Auftritt. Maroon 5 brachten globalen Pop-Rock, Mumford & Sons eine stark mit London verbundene Folk-Rock-Geschichte und Duran Duran mehrere Generationen britischer Pop- und Disco-Erinnerung. Pitbull veränderte die Stimmung erneut in Richtung internationaler Party-Pop. Lewis Capaldi schloss die Reihe schließlich mit zwei aufeinanderfolgenden Headline-Abenden. Innerhalb von gut zwei Wochen wechselte nicht der Veranstaltungsort, sondern praktisch alles andere.
Genau darin liegt die eigentliche Besonderheit von BST Hyde Park. Es ist ein großes Festival, aber viele Besucher erleben nur den einen Tag ihres Lieblingskünstlers und würden ihre Eintrittskarte genauso gut als Konzertticket beschreiben. Es existiert keine Verpflichtung, ein ganzes Wochenende mit derselben Festivalgemeinschaft zu verbringen. Trotzdem hat die Wiederholung über Jahre eine gemeinsame Geschichte geschaffen. The Rolling Stones, Taylor Swift, Adele, Springsteen, BLACKPINK und Garth Brooks gehören heute zu verschiedenen Kapiteln derselben Bühne. Sponsoren und vollständiger Veranstaltungsname haben sich verändert, British Summer Time wurde zu BST, doch das Grundprinzip blieb: Der Park bleibt derselbe, während Publikum, Generation und musikalische Identität jeden Sommer mehrfach ausgetauscht werden.
Zeitstrahl
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