2010–2027

JAZZ - R&B - SOUL

Cincinnati Music Festival

Ranking

#1.247

✓ 16 dokumentierte Editionen — 126 Künstler haben teilgenommen
Nächste Edition

Cincinnati Music Festival 2027

Wann

22–24 JULI 2027

Top-Künstler

Lineup folgt — wir veröffentlichen es sobald es bestätigt ist.

Noch

295
Tage
01
Std
44
Min
28
Sek

Fan service

Zahlen, Heimatort und Eigenheiten

Dokumentierte Editionen162010–2027
Jahre Geschichte65 Jahreseit 1962
Übliches LandVereinigte Staaten

Über das Festival

An einem Wochenende im Hochsommer gehört das Stadion am Ohio River nicht nur dem Football. Familien reisen gemeinsam an, Freundesgruppen kommen aus anderen Bundesstaaten und langjährige Besucher sprechen noch immer vom „Jazz Fest“, obwohl auf der Bühne längst R&B, Soul und Hip-Hop dominieren. Dieser alte Spitzname erklärt Cincinnati Music Festival besser als viele aktuelle Werbetexte. Kaum ein großes amerikanisches Musikereignis hat in mehr als sechs Jahrzehnten so viele Sponsoren, Namen, Venues und musikalische Schwerpunkte durchlaufen, ohne seine historische Kontinuität zu verlieren. Entscheidend war nie ein einziges Logo, sondern die Erwartung des Publikums, jeden Sommer wiederzukehren.

1962 brachten Dino Santangelo und George Wein den Ohio Valley Jazz Festival nach Cincinnati. Wein hatte bereits entscheidend dazu beigetragen, Jazz Festivals als große öffentliche Kulturereignisse zu etablieren; Santangelo kannte das regionale Publikum aus früheren Veranstaltungen in Indiana. Auf dem Carthage Fairgrounds entstand ein erstes Cincinnati-Line-up von außergewöhnlicher Qualität: Louis Armstrong, Duke Ellington, Dave Brubeck, Sonny Rollins, Gerry Mulligan, Coleman Hawkins, Horace Silver und Jimmy Smith gehörten dazu. In dieser Phase war die musikalische Definition eindeutig. Es handelte sich um Jazz auf höchstem Niveau, präsentiert nicht in einem kleinen Club, sondern als großes Sommerereignis.

Schon bald wechselte das Festival in größere Sportstätten. Crosley Field wurde ein wichtiges Zuhause, bevor 1971 Riverfront Stadium die nächste Phase einleitete. Gleichzeitig begann sich das musikalische Zentrum zu verschieben. Soul, Funk und R&B wurden immer wichtiger, während Jazz seine historische Bedeutung behielt. Sponsoren beeinflussten den öffentlichen Namen: Kool Jazz Festival, Kool Jazz Fest, Nissan Festival, Jazz Festival und später Coors Light Riverfront Stadium Festival gehörten zu dieser langen Reihe. Für viele Besucher war der Unterschied weniger wichtig als für Archivare. Sie gingen weiterhin zu demselben jährlichen Ereignis, das sich einfach der Zeit und dem Markt anpasste.

Genau diese Anpassungsfähigkeit machte es möglich, völlig verschiedene Generationen miteinander zu verbinden. Aretha Franklin, Marvin Gaye, Stevie Wonder, Patti LaBelle und Earth, Wind & Fire standen für andere musikalische Jahrzehnte als Whitney Houston, Luther Vandross oder New Edition. Mary J. Blige, Usher, Janet Jackson und später Hip-Hop-Künstler führten die Geschichte weiter. Das Festival musste irgendwann akzeptieren, dass sein ursprünglicher Jazz-Fokus allein nicht mehr die kulturelle Realität des Publikums beschrieb. Jazz wurde zur Wurzel, R&B und Soul zum Zentrum, Hip-Hop zu einer immer wichtigeren Erweiterung. Gerade dadurch blieb „Jazz Fest“ paradoxerweise relevant: Der alte Name wurde Erinnerung statt Genrebezeichnung.

Nach 2001 geriet diese Tradition in ihre schwierigste Phase. Cincinnati war nach dem Tod von Timothy Thomas, Unruhen und einem wirtschaftlichen Boykott gesellschaftlich stark belastet; gleichzeitig schwächte die Rezession nach den Anschlägen vom 11. September die Veranstaltungswirtschaft. Von 2002 bis 2004 fand in Cincinnati kein Festival statt. Verwandte Aktivitäten wurden zeitweise nach Detroit verlegt, doch das gewohnte Riverfront-Wochenende fehlte. Die Rückkehr 2005 bedeutete deshalb mehr als eine normale neue Ausgabe. Macy’s wurde Titelsponsor, die Cincinnati Bengals halfen beim neuen Stadionmodell und Paul Brown Stadium — heute Paycor Stadium — wurde die neue Heimat. Zehn Jahre lang hieß die Veranstaltung Macy’s Music Festival.

2015 übernahm Procter & Gamble die Rolle des Presenting Sponsor und der Name wurde auf Cincinnati Music Festival reduziert. Damit rückte die Stadt selbst wieder stärker in den Mittelpunkt. Inzwischen bestand das Wochenende ohnehin aus wesentlich mehr als den Konzerten im Stadion. Festival513, Märkte, Partys, Restaurants und später Cincinnati Black Music Walk of Fame machten Downtown zu einem erweiterten Festivalgelände. Hotels füllten sich mit regelmäßigen Besuchern, und das Ereignis wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Noch wichtiger ist jedoch die soziale Funktion: Für viele Gäste ist das Wochenende eine jährliche Reise mit Freunden oder Familie, deren Rhythmus nur teilweise vom eigentlichen Bühnenprogramm bestimmt wird.

Covid unterbrach diese neue Stabilität in den Jahren 2020 und 2021. Als Cincinnati Music Festival 2022 mit Janet Jackson und Charlie Wilson zurückkehrte, wirkte das Ereignis deshalb wie das Wiederaufnehmen eines vertrauten Rituals. Die Bindung des Publikums an CMF entsteht nicht ausschließlich aus dem jeweils stärksten Headliner. Menschen kommen wieder, weil der Termin selbst Bedeutung besitzt. Einige besuchen das Festival seit der Kool-Jazz-Zeit, andere seit Macy’s, wieder andere kennen nur die P&G-Ära. Trotzdem erleben sie denselben sozialen Raum und hören Musik, die oft bereits Teil ihrer Familiengeschichte ist.

2026 zeigte das Programm diese generationsübergreifende Struktur besonders deutlich. Am Donnerstag standen Talib Kweli, DJ Spinderella, Hi-Tek und DJ Vader für Hip-Hop-Geschichte. Freitag führte über 803 Fresh, Ledisi, Tyrese und Nelly zu Charlie Wilson. Samstag trafen Heatwave, Doug E. Fresh, Slick Rick, SWV, Trey Songz und Mary J. Blige aufeinander. Funk der siebziger Jahre, Old-School-Rap, neunziger R&B und jüngere Stimmen standen nicht unverbunden nebeneinander, sondern bildeten eine Art musikalische Familienchronik. Das Publikum musste sich nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart entscheiden; beides gehörte zum selben Wochenende.

Vom 22. bis 24. Juli 2027 kehrt Cincinnati Music Festival erneut ins Paycor Stadium zurück. Das Line-up ist noch nicht bekannt, doch der Termin steht bereits fest. Mehr als sechzig Jahre nach dem ersten Auftritt von Armstrong und Ellington in Cincinnati beschreibt Jazz das heutige Programm nur noch unvollständig. Trotzdem bleibt die Herkunft hörbar, nicht unbedingt in jedem Song, sondern in der Vorstellung eines großen schwarzen Musiktreffens am Fluss. Stadien wurden abgerissen, Sponsoren wechselten und Genres veränderten ihre Bedeutung. Die eigentliche Kontinuität liegt in der Gewohnheit, Ende Juli wieder zusammenzukommen und mehrere Generationen amerikanischer Musik als Teil derselben Geschichte zu erleben.

Offizielle Website · www.cincymusicfestival.com

Genres

JAZZ

R&B

SOUL

Steckbrief

Üblicher Monat
Juli
Typische Dauer
3 Tage
Übliche Stadt
Cincinnati, Ohio
Längste Serie
10 Jahre hintereinander
Veranstalter
The Santangelo Group (Joe Santangelo; promotor fundacional Dino Santangelo)
Erste Edition
1962

Wiederkehrende Künstler

Die mit den meisten Auftritten in dieser Franchise.

4
Fantasia

R&B · VEREINIGTE STAATEN

5 Editionen
12
Maxwell

VEREINIGTE STAATEN

3 Editionen