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9 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
DAS FEST ist zu sehen, bevor man einen Eingang erreicht. Von verschiedenen Stellen der Günther-Klotz-Anlage blickt man auf den Mount Klotz, dessen Hang sich mit Menschen, Decken und kleinen Gruppen füllt. Unten steht die Hauptbühne, darüber bildet das Publikum eine unregelmäßige Tribüne aus Gras. Wenn der Abend über Karlsruhe hereinbricht, wird die Anhöhe zu einem natürlichen Amphitheater: Tausende schauen in dieselbe Richtung und behalten dennoch das Gefühl eines gemeinsamen Sommertages im Stadtpark.
Die Veranstaltung entstand 1985 als zentraler Karlsruher Beitrag zum Internationalen Jahr der Jugend. Der Stadtjugendausschuss wollte Kulturprogramme, die zuvor in Hallen stattgefunden hatten, kostenlos und offen nach draußen bringen. Zur ersten Ausgabe kamen ungefähr 3.000 Menschen. Das Budget war klein, Versorgung und Informationen befanden sich in einem großen Zelt, und die Atmosphäre erinnerte eher an ein Jugendcamp als an ein Massenfestival. Dass daraus einmal eine Veranstaltung mit Hunderttausenden Besuchen werden würde, gehörte nicht zum ursprünglichen Plan.
Mit dem Wachstum verschwand die Idee eines gemischten Publikums nicht. DAS FEST war nie auf eine einzige musikalische Szene zugeschnitten. Alternative Rock, Punk, Reggae, deutscher Pop, Hip-Hop, elektronische Musik und internationale Acts standen am Mount Klotz. Seeed, Faithless, Simple Minds, Apocalyptica, Guano Apes, Ska-P, Peter Fox, Die Fantastischen Vier, Clueso und Beatsteaks gehören zu einer Geschichte, in der Gitarrenmusik am selben Wochenende neben Rap, Soul, Pop und Klassik bestehen kann.
Die steigenden Besucherzahlen zwangen die Veranstalter jedoch zu schwierigen Veränderungen. Lange Zeit war das Festival vollständig kostenlos und finanzierte sich in hohem Maß über Speisen und Getränke. Als immer mehr Gäste eigene Verpflegung mitbrachten, geriet dieses Modell ins Wanken. 2001 wurde das Gelände erstmals eingezäunt. Nach einer überfüllten Ausgabe im Jahr 2009 übernahm eine neue Struktur die Produktion, und für den Bereich an Hauptbühne und Hügel wurde ein günstiger Eintritt eingeführt. So entstand das bis heute prägende Modell: ein kostenpflichtiger Kern, umgeben von einem sehr viel größeren kostenlosen Programm.
Mehr als siebzig Prozent der Angebote sind weiterhin ohne Ticket erreichbar. Neben dem Mount Klotz liegen Feldbühne, Kulturbühne und FEST-Floor sowie Bereiche für Kinder, Sport und Vereine. Familien wechseln zwischen Theater, Wasserspielen, Mitmachmusik und Jugendzirkus. Jugendliche verbringen Stunden bei Skateboard-, BMX- oder Breaking-Wettbewerben. Wer wegen eines Headliners gekommen ist, kann bei einer regionalen Band, einem Poetry Slam, einer Wissenschaftsshow oder einem elektronischen Set hängen bleiben.
Das Gelände bleibt eng mit dem Alltag der Stadt verbunden. Es gibt keinen integrierten Campingplatz und keine abgeschlossene Festivalwelt außerhalb Karlsruhes. Besucher kommen mit Straßenbahn, Fahrrad oder zu Fuß in eine öffentliche Grünanlage. Wege führen vom Hügel zum See, zu schattigen Flächen und in die kostenlosen Kulturzonen. Gastronomie, lokale Initiativen und Umweltangebote verteilen sich über den Park. Bereits in der Woche davor bringt DAS FEST AM SEE kostenlose Konzerte an den Rudersee und leitet den Festivalsommer ein.
Auch das Wetter gehört zur Geschichte. Bei Sonne wird der Mount Klotz zu einer riesigen Sommerwiese. Regen bringt Jacken, nasse Wege und Schlamm, hat aber zugleich Konzerte hervorgebracht, bei denen kaum jemand das Gelände verlassen wollte. Aus Sicht der auftretenden Künstler besitzt der Ort eine besondere Wirkung: Weil das Publikum den Hang hinaufsteigt, reicht die Menge fast bis auf Bühnenhöhe und bildet keine flache Fläche, sondern eine aufragende Wand aus Gesichtern.
Am Sonntagmorgen verändert sich die Hauptbühne vollständig. Nach Rock, Rap und elektronischer Musik tritt die Badische Staatskapelle bei Mount Klassik auf. Familien, langjährige Stammgäste und Menschen, die sonst selten ein Sinfoniekonzert besuchen, sitzen auf der Wiese und hören eines der traditionsreichsten Orchester Deutschlands in entspannter Umgebung. Wenige Stunden später gehören Bühne und Hügel wieder Pop, Soul oder Hip-Hop.
Die 40. Ausgabe findet vom 23. bis 26. Juli 2026 statt. Nico Santos, Beatsteaks, Zartmann sowie Max Herre & Joy Denalane führen das Hauptprogramm an. Blond, Disarstar, Leony, Loi, Blood Red Shoes, Lari Luke, Zimmer90, Ray Dalton und Âme live erweitern es um Pop, Punk, Rap, Indie, Soul und elektronische Musik. Gleichzeitig bleibt das kostenlose Gelände mit Theater, Wissenschaft, Sport und Karlsruher Kultur aktiv.
DAS FEST lässt sich deshalb nicht allein über seine Headliner erklären. Seine Identität entsteht daraus, wie Karlsruhe den Park nutzt: Kinder am Nachmittag, Rockpublikum am Hang, Clubkultur auf dem FEST-Floor und ein Orchester am Sonntagmorgen. Der Mount Klotz liefert das berühmte Bild, doch der eigentliche Charakter liegt im Nebeneinander all dieser Erfahrungen, wenn eine öffentliche Grünanlage für einige Tage zum gemeinsamen Wohnzimmer der Stadt wird.
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