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2 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Days Off beginnt nicht mit dem typischen Blick über ein Festivalgelände voller Bühnen. Vielmehr übernimmt das Festival für einige Tage die Philharmonie de Paris und verändert die Art, wie deren Räume genutzt werden. An einem Abend sitzt das Publikum in der monumentalen Grande salle Pierre Boulez, am nächsten findet ein wesentlich kleinerer Auftritt im Amphitheater der Cité de la musique statt. In manchen Jahren führten DJ-Abende sogar bis auf das Dach der Philharmonie. Dieser ständige Wechsel zwischen Größe und Nähe ist keine Nebensache. Er erklärt, warum Days Off trotz international bekannter Namen nie wie ein gewöhnliches Sommerfestival funktioniert hat.
Gegründet wurde das Festival 2010 von der Cité de la musique und der Salle Pleyel. Anfang Juli, wenn die klassische Pariser Konzertsaison ausläuft und andernorts die großen Open-Air-Festivals beginnen, sollte ein Raum für Pop, Rock und aktuelle Musik entstehen. Schon die erste Ausgabe zeigte, dass es nicht nur darum ging, Tourneen in einen Kalender einzukaufen. Julian Casablancas, Peter Doherty, Patrick Watson, Alela Diane und The Divine Comedy standen zwar für bekannte Namen, daneben gab es aber speziell entwickelte Programme wie eine kollektive Live-Neudeutung von Let It Be. Besondere Projekte wurden von Beginn an nicht als Zusatz behandelt, sondern als wesentlicher Bestandteil des Konzepts.
Die ursprüngliche Aufteilung zwischen Cité de la musique und Salle Pleyel schuf eine ungewöhnliche Spannung. Künstler aus Indie, Rock oder Elektronik traten in Häusern auf, deren Architektur und Publikumskultur stark von klassischer Konzerttradition geprägt waren. Ein Auftritt von Peter Doherty wirkte in einem aufmerksam sitzenden Saal automatisch anders als auf einer Festivalwiese. Antony and the Johnsons konnte mit dem Orchestre National d’Île-de-France arbeiten, während die Musik von Steve Reich plötzlich selbstverständlich neben elektronischen Experimenten stand. Days Off suchte seine Einheit deshalb nie in einem einzigen Stil. Entscheidend war vielmehr die Frage, ob ein Projekt in einem Konzertsaal etwas Besonderes entwickeln konnte.
Mit der Eröffnung der Philharmonie de Paris im Jahr 2015 veränderte sich diese räumliche Logik. Rund um Porte de Pantin verfügte das Festival nun über einen ganzen Komplex unterschiedlichster Räume. Die Grande salle Pierre Boulez kann großformatige Produktionen tragen, die Salle des concerts wirkt unmittelbarer, das Amphitheater eignet sich für intime Programme, und Studios, Museumsbereiche oder zeitweise das Dach eröffnen weitere Möglichkeiten. Ab 2016 nutzte Days Off diese Vielfalt immer bewusster. Das Festivalgelände besteht damit nicht aus temporären Zelten und Bühnen, sondern aus einer Folge fest gebauter Räume, von denen jeder andere Bedingungen für Klang, Sicht und Verhalten des Publikums schafft.
Das erklärt auch die große stilistische Spannweite. Sufjan Stevens, Kraftwerk, The National, Interpol, Sigur Rós, Air oder Beth Gibbons lassen sich nicht sinnvoll unter einer einzigen musikalischen Bezeichnung zusammenfassen. Bei Days Off verbindet sie eher die Idee, dass ihr Konzert in diesem Umfeld mehr sein kann als eine weitere Station derselben Tour. Albumaufführungen, Orchesterprojekte, Hommagen und speziell entwickelte Zusammenarbeiten gehören deshalb regelmäßig zum Programm. 2024 spielte Air Moon Safari vollständig, während ANOHNI and the Johnsons nach langer Bühnenpause zurückkehrte. 2025 konnten Beth Gibbons und Bloc Party wiederum neben Hip-Hop, Elektronik und jüngeren französischen Acts existieren, ohne dass das Programm auseinanderfiel.
Für Besucher bedeutet das einen anderen Rhythmus als bei klassischen Mehrtagesfestivals. Niemand muss campen oder morgens ein Gelände betreten, das erst nachts wieder verlassen wird. Die Métrostation Porte de Pantin liegt unmittelbar am Komplex, sodass jeder Konzertabend für sich funktionieren kann. Wer mehrere Tage besucht, merkt allerdings schnell, dass gerade die Wechsel zwischen den Räumen Teil der Erfahrung werden. Ein Sitzkonzert in der Grande salle verlangt eine andere Konzentration als ein Stehkonzert oder ein DJ-Set; ein intimer Abend im Amphitheater erzeugt ein anderes Verhältnis zum Künstler als eine große Produktion. Auch das Publikum verändert sich von Abend zu Abend und setzt sich immer wieder neu zusammen.
2020 wurde diese Kontinuität erstmals vollständig unterbrochen. Die geplante Ausgabe mit unter anderem Alva Noto und Ryuichi Sakamoto, Andrew Bird, Perfume Genius und The Rapture fiel den Einschränkungen der COVID-Pandemie zum Opfer. 2021 kehrte das Festival unter schwierigeren Bedingungen zurück und stellte das Wiedersehen von Publikum, Künstlern und Konzertsälen selbst in den Mittelpunkt. Danach zeigte sich erneut, dass Days Off nicht zwangsläufig immer größer werden will. 2024 wurde bewusst auf eine kompakte fünftägige Ausgabe reduziert; 2025 expandierte das Programm wieder und bespielte erneut viele Bereiche der Philharmonie. Diese Beweglichkeit gehört mittlerweile stärker zum Festival als ein festgelegtes Größenmodell.
Die 16. Ausgabe vom 27. Juni bis 5. Juli 2026 verband schließlich Gegenwart und eigene Geschichte. Babyshambles eröffneten das Festival, während Alela Diane – bereits 2010 dabei – den Schlusspunkt setzte. Dazwischen standen Tamino, Smerz, Nourished by Time, der Flamenco-Gitarrist Yerai Cortés, eine Nacht rund um Raï und TOMORA, das gemeinsame Projekt von AURORA und Chemical-Brothers-Mitglied Tom Rowlands. Der Grand salon wurde zusätzlich für Abende zwischen Bass Music, Hip-Hop, Hyperpop und Ballroom in einen Club verwandelt. Termine für 2027 gibt es noch nicht, doch Days Off ist weiterhin aktiv. Seine besondere Stärke bleibt dabei eine ungewöhnlich konkrete Form der Kuratierung: Nicht möglichst viele Bühnen sollen gleichzeitig etwas anbieten, sondern für jede Musik soll der Raum gefunden werden, in dem sie am meisten zu erzählen hat.
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