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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Forbidden Island 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Manche Festivals verkaufen einen Urlaub am Meer. Andere wirken eher wie ein Experiment darüber, wie viel Hardcore eine mediterrane Insel verträgt, bevor selbst die Möwen nach Gehörschutz fragen. Forbidden Island gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Seine Heimat ist der Zrće Beach auf der kroatischen Insel Pag, ein Küstenstreifen, der sich im Sommer beinahe in eine eigene Stadt für elektronische Musik verwandelt. Open-Air-Clubs, Pools, Boote und Nächte, die erst nach Sonnenaufgang enden, gehören hier zur normalen Infrastruktur. Forbidden Island nahm dieses ohnehin schon intensive Urlaubsmodell und schob es konsequent in Richtung Hardcore, Uptempo und Frenchcore — passend zusammengefasst unter dem Motto „The Ultimate Hardcore Holiday“.
Die erste Ausgabe fand im September 2022 statt und wurde von BKJN Events ins Leben gerufen, einem niederländischen Veranstalter mit tiefen Wurzeln in der Hardcore-Szene. Die Idee war bemerkenswert klar: Die Community der BKJN-Veranstaltungen sollte für mehrere Tage nach Kroatien ziehen und dort ein Festival erleben, das nicht mit dem Abschalten einer einzelnen Bühne endete. Angerfist, Dr. Peacock, Miss K8, Sefa, Partyraiser, AniMe, Dimitri K, The Dark Horror und The Sickest Squad gehörten zu den Namen, die den musikalischen Charakter sofort festlegten. Neben den Clubnächten gab es Pool- und Bootspartys, wodurch die Adriaküste nicht bloß Kulisse, sondern Teil des eigentlichen Programms wurde.
Der Zrće Beach ist für das Verständnis des Festivals entscheidend. Forbidden Island war nie einfach ein umzäuntes Gelände mit Mainstage und Nebenzelten. Stattdessen verteilte sich die Veranstaltung auf die Clublandschaft rund um Novalja. Kalypso und Noa spielten dabei früh wichtige Rollen; später gehörten auch Orte wie Aquarius, Rocks und Nomad zum Ablauf, während die Boote vom Hafen Novaljas aus starteten. Das Publikum wechselte von Strand zu Pool, von dort aufs Boot und anschließend in den Club. Irgendwann wurde die Unterscheidung zwischen Festival und Urlaub eher theoretisch. Pag liefert dazu eine ungewöhnliche Landschaft: helle, fast mondartige Felsen, klares Meer und mediterrane Sonne treffen auf Musik, die ihre Karriere nicht gerade der Zurückhaltung verdankt.
Vom 28. bis 31. August 2023 fand die zweite Ausgabe statt. Angerfist, Dr. Peacock, Miss K8, Sefa, Dimitri K, Partyraiser, Hysta, Major Conspiracy, Spitnoise und The Dark Horror gehörten zu einem Programm, das seine Prioritäten sehr deutlich setzte. Gleichzeitig entstand eine wichtige Besonderheit für die Festivalgeschichte: INURFASE trat innerhalb von Forbidden Island als Hosting-Marke auf, doch Forbidden Island war keine Ausgabe von INURFASE. Identität, Organisation und Kontinuität blieben beim eigenständigen, von BKJN getragenen Konzept. Gerade im Hard-Dance-Bereich ist diese Trennung wichtig, weil Stage Takeovers und Marken-Hostings zum Alltag gehören. Wer für eine Nacht eine Bühne übernimmt, übernimmt damit nicht automatisch den Stammbaum des gesamten Festivals.
2024 kehrte Forbidden Island vom 25. bis 29. August zurück und erweiterte sein eigenständiges Format auf fünf Tage. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits ein typischer Tagesablauf herausgebildet: nächtliche Raves, Pool-Sessions am Nachmittag, Bootspartys und dazwischen jene optimistische Vorstellung, irgendwann werde schon genügend Zeit zum Schlafen auftauchen. Miss K8, Dimitri K, The Dark Horror, Major Conspiracy, Bulletproof, Partyraiser, Soulblast, Noxiouz und Rave Generators gehörten zu den Künstlern, die den Hardcore- und Uptempo-Fokus fortführten. Musikalische Beliebigkeit gehörte nie zum Konzept. Forbidden Island wusste ziemlich genau, welches Publikum es erreichen wollte, und hatte wenig Interesse daran, seine härtesten Kanten abzuschleifen.
Nach dieser Ausgabe änderte sich die Struktur grundlegend. 2025 schloss sich Forbidden Island mit Dropzone zusammen, einem weiteren Harder-Styles-Festival am Zrće Beach. Statt zwei vollständig getrennte Festivalurlaube durchzuführen, verbanden die Marken ihre Programme, wobei Forbidden Island insbesondere den Hardcore- und Uptempo-Bereich verstärkte. 2026 war diese Zusammenarbeit bereits fest im Ablauf verankert: Es gab eine Forbidden Island Opening, eine Nacht unter dem Titel BKJN presents Forbidden Island, weitere passende Programmpunkte und eine Forbidden Island Cruise. Der Name verschwand also nicht, sondern bekam eine neue Funktion. Aus einem eigenständigen Hardcore-Festival wurde eine deutlich sichtbare Teilidentität innerhalb einer größeren Hard-Dance-Woche.
Auch 2027 wird diese Entwicklung fortgesetzt. Dropzone hat seine nächste Ausgabe vom 3. bis 8. Juli angekündigt und beschreibt Forbidden Island erneut ausdrücklich als Partner. Deshalb wäre es zu einfach, die Marke als eingestellt zu bezeichnen. Das frühere, eigenständige August-Festival existiert derzeit nicht mehr in seiner ursprünglichen Form, doch Forbidden Island bleibt aktiv und repräsentiert innerhalb des gemeinsamen Formats weiterhin seine Hardcore-Wurzeln. Es handelt sich eher um eine Transformation als um ein Ende.
Forbidden Island hat noch keine jahrzehntelange Geschichte, besitzt aber bereits eine klar erkennbare Identität. Das Festival zeigte, dass das Destination-Festival-Modell von Pag ausgesprochen spezialisiert funktionieren kann, ohne seinen internationalen Reiz zu verlieren. Es brachte eine stark niederländisch und europäisch geprägte Hardcore-Kultur an die Adriaküste und ließ sie dort weitgehend unverändert auf Sonne, Wasser und Ferienarchitektur treffen. Die Erinnerung an Forbidden Island hängt deshalb weniger an einer einzigen gigantischen Bühne als an der Bewegung zwischen den Orten: nachmittags Pool, später Boot, nachts Club und irgendwann die überraschende Erkenntnis, dass manche Menschen kroatische Strände tatsächlich zur Erholung besuchen. Während Forbidden Island war das allerdings nie die naheliegendste Nutzung.
Genres
HARDSTYLE
Die mit den meisten Auftritten in dieser Franchise.
Keine Top-Künstler
Noch nicht genug Quersignal zwischen Franchise und Archiv.