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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Kanehameha Festival 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Der Flugplatz Offenburg ist nicht für ein Festival geboren. Er ist für Flugzeuge geboren. Kamehameha Festival besetzt diese Piste in Baden-Württemberg als Nachfolger, nicht als Büroerfindung: davor gab es Tagtraum in Achern und Tag & Nachttraum in Offenburg, zwei Tag-und-Nacht-Namen, die das neue Treffen erbt, ohne das Schild zu kopieren. Das Debüt war der 7. Juni 2014. Wer deutsche Elektronik nur in Berliner Hallen oder rheinischen Gehegen denkt, hat die falsche Karte: hier ist der Ursprung ein Stadtfeldflugplatz und eine Kontinuitätslinie, die das Impressum als Kamehameha GmbH zeichnet, mit Melanie Allgaier.
Vier Elemente sind kein Merchandising-Schmuck. Sie sind die visuelle und räumliche These, die das Festival erklärt: Erde, Wasser, Feuer, Luft — oder die Art, wie ein Flugplatz, der schon Luft ist, sich als Bühne lesen lässt. Ein esoterisches Libretto wird hier nicht behauptet. Behauptet wird, dass der hawaiische Name und die Elemente den Ort von einem schlichten Lautsprecherfeld unterscheiden. Tagtraum und Tag & Nachttraum liehen die Gewohnheit, Offenburg und Achern mit House, Techno und Trance zu besetzen. Kamehameha Festival leiht einen neuen Namen und Pistenboden.
Das Plakat, an das Berichte erinnern, erklärt das Ohr. Robin Schulz und Bakermat setzen Radio- und Festival-House als zugängliche Säule, nicht als Entschuldigung. Monika Kruse leiht Club-Techno, der verhindert, dass der Flugplatz ein einziges Sommerradio wird. Aka Aka weiten die Spanne zu Groove und Nachtspitze. Das ist keine Liste, um einen Flyer zu füllen. Es ist eine Karte dreier Genres, die eine Piste halten kann: House, Techno, Trance. Wer aus Freiburg oder Straßburg kommt, erkennt die Namen. Wer in Offenburg lebt, sieht plötzlich einen Flugplatz, der an einem Juni-Samstag leuchtet.
Das Publikumserlebnis ist Beton, Randgras und offener Himmel. Man kommt über die Straße, parkt neben einem Gelände, das noch Luftfahrt ist, läuft die Piste wie eine zeitweilige Avenue. Ein Junitag kann harte Sonne auf dem Asphalt sein; die Nacht senkt Wind aus dem Rheintal und der Techno klingt klarer. Kein Stranddorf, keine U-Bahn. Offenburg, Achern einen Sprung entfernt in der Erinnerung, und das Gefühl, dass das Festival in eine Infrastruktur passt, die nicht für es gebaut wurde. Man isst, was die Stände anbieten. Man schläft im Hotel oder fährt heim. Der After liegt nicht auf einer anderen Insel: er liegt auf demselben Flugplatz, oder er endet, weil eine Piste auch ausgeht.
Der Widerspruch ist Nachfolger und Boden. Ein Festival, das zwei frühere Namen erbt, startet nicht bei null; es startet bei einem Publikum, das schon wusste, nach Offenburg zum Tanzen zu fahren. Kamehameha Festival erklärt sich nicht als Bruch. Es erklärt sich als Schildwechsel über einer lokalen Praxis: Tagtraum, Tag & Nachttraum, dann eine GmbH und ein Debüt 2014. Melanie Allgaier steht im Impressum; eine mythische Gründerinnen-Erzählung wird hier nicht erfunden. Genannt wird, was das Register erlaubt. Der Rest — wer den ersten Tagtraum träumte — bleibt draußen, wenn er nicht geprüft ist.
Ein Flugplatz verändert die Musik. Das Echo ist nicht das einer Getreidehalle und nicht das eines Waldes. Es ist das einer Piste, eines Hangars, eines Horizonts aus Flugzeugen, die an diesem Tag nicht für das Publikum starten. House und Trance nutzen diese Horizontalität: der Kick reist weit, der Himmel dient als Dach. Kruses Techno ist in dieser Kreuzung kein Underground-Cameo. Er ist der Puls, der verhindert, dass der Samstag nur Radio wird. Wer im Randgras bleibt, wenn das Licht fällt, versteht, dass das Venue kein Hintergrund ist. Es ist der dritte Headliner.
Baden-Württemberg ist nicht Berlin. Dieser Satz zählt. Kamehameha Festival arbeitet eine Südwest-Karte: Offenburg, der Rhein nah, Frankreich einen Sprung entfernt, ein Publikum, das aus Karlsruhe oder Straßburg ankommen kann, ohne eine Pilgerfahrt in die Hauptstadt zu verlangen. Das Maß wird hier nicht mit offiziellen Zahlen genannt. Das Format wird genannt: ein Junitag auf einem Flugplatz, drei Pisten-Genres, ein Name, der von einem deutschen Flugplatz nach Hawaii blickt. Diese geografische Distanz ist der Charakter, kein Plakatwitz.
Man muss keine späteren Spielzeiten erfinden, um den Ort zu erklären. Der Ort erklärt sich durch den 7. Juni 2014, durch Tagtraum und Tag & Nachttraum, durch Allgaier und die GmbH, durch Schulz, Bakermat, Kruse und Aka Aka, durch vier Elemente und durch eine Piste, die Decks angenommen hat. Kamehameha Festival besetzt einen Flugplatz, den Offenburg schon anders zu nutzen wusste. Der Unterschied ist das Schild und die Entscheidung, dass House dort klingen soll, wo Flugzeuge starten.
Kamehameha Festival versteht man am besten als Piste, die einen Samstag aus Elementen angenommen hat. Zwischen Achern und Offenburg, zwischen Tagtraum und der GmbH, zwischen Kruse und Schulz hatte Baden-Württemberg 2014 einen Nachfolger, der keine Hauptstadt-Halle verlangte. Er verlangte einen Flugplatz, einen hawaiischen Namen und die Idee, dass Techno dort passt, wo Luft schon ein Wegerecht hatte.
Genres
HOUSE
TECHNO
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