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2027
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2027La Route du Rock 2027
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Saint-Malo im Februar ist keine Augustpostkarte. Es ist eine Korsarenstadt im Mantel, nasse Wälle und ein Hafen, der 1991 noch kein Indiefestival verlangte. Vom 28. Februar bis 2. März jenes Jahres belegte Rock Tympans — der Renner Verein, den Franck Rolland 1986 gegründet hatte — die Maison des Associations, das Centre Allende und ein paar Bars intramuros. Etwa achthundert Menschen, eine Zahl, die Berichte mit der Vorsicht eines ersten Winters nennen. Der Name entstand an einem Tag: das Rathaus wollte einen, und jemand warf, als Witz, La Route du Rock hin, ein Echo der Route du Rhum, die vom selben Kai sticht. Wer La Nuit de l’Erdre sucht, das Treffen von Nort-sur-Erdre in der Loire-Atlantique, hat das falsche Ästuar und das falsche Ohr. Hier ist der Boden malouin, das Ohr Indie und Rock, und der Ursprung ist Radio, keine Sommerwiese.
Rolland kam von Radio Savane und von Canal B, dem Sender, den er 1989 in Rennes aufstellte. François Floret und Stéphane Ridard moderierten Sale Temps pour les Hits. In einer jener Sendungen interviewte Floret Ludovic Renoult — in Berichten manchmal Renaud geschrieben —, einen Malouiner, der 1990 Little Nemo ins Théâtre Bouvet geholt hatte. Der Strom sprang über. Rennes hatte schon Trans Musicales und volle Säle; Saint-Malo hatte Platz und ein Rathaus, das etwas wollte. Das Festival wurde nicht in einem Tourneebüro entworfen. Es schwappte aus einem Radio und einem New-Wave-Konzert.
Anechoïc Chamber, The Grief, Les Tétines Noires, Little Nemo, Les Freluquets, Black Maria: diese Namen des ersten Winters messen, dass das Plakat französisch und aus der Szene war, kein britisches Cover. Im Jahr darauf öffnete sich das Ohr zur Frankophonie und bald zum Angelsächsischen, das Rock Tympans schon in den Ici-Londres-Nächten erprobte. Bernard Lenoir stützte das Projekt von France Inter. 1993 gab ein Noir-Désir-Konzert im Fort Saint-Père, ein paar Kilometer draußen, ihnen das Gelände, das die Säle intramuros nicht mehr leihen konnten. Wer La Route du Rock nur als August in einer Festung denkt, überspringt den Februar 1991.
Man darf diese Route nicht mit La Nuit de l’Erdre mischen. La Nuit de l’Erdre ist das Festival von Nort-sur-Erdre, am Ufer eines Flusses der Loire-Atlantique, mit einem anderen Team und einer anderen Sommeruhr. La Route du Rock ist die von Rolland, Floret und Renoult, die von 1991, die von Saint-Malo und später der Festung. Sie zu verwechseln, weil beide ein französisches Rockwochenende verkaufen, ist ein Kartenfehler. Das eine blickt auf die Erdre. Das andere blickt auf die Wälle und eine Segelregatta, die den Witz des Namens lieh.
Das Erlebnis leitet sich vom Format ab. 1991 kam man intramuros an, ging von einem Saal in eine Bar, hörte Rock von Korsarenstein springen. Später, im Fort Saint-Père, läuft man ein Militärgelände aus Gras und Mauer, Ohr an zwei Bühnen und, in manchen Ausgaben, am Strand von Bon Secours und in La Nouvelle Vague. Kein Camping auf einer Nantes-Wiese. Es gibt den Zug nach Saint-Malo, eine Festung, und die Pflicht, intramuros oder zum Auto zurückzukehren, wenn der Set stirbt. Ein malouiner Februar ist Wind und Salz; ein August in der Festung langes Licht und ein atlantischer Schauer. Das Festival lernte früh, dass das Gelände kein Dekor ist: es ist die These.
Ab 2006 sprechen Berichte von Collection Hiver — Februar, Rennes und Saint-Malo — und Collection Été — Mitte August in der Festung. Das erzählt man als Ohr, das nicht in einen Monat passte, nicht als Jahreslinie. Floret programmiert mit dem Maß dessen, der vom Radio kommt: Herzschläge, kein Genreklub. Slowdive, Sonic Youth, PJ Harvey, Portishead, Nick Cave: diese späteren Namen messen die Spanne, sie machen den Winter 1991 nicht zur Fußnote.
Das Publikum mischt Malouiner, Renner und Ohren, die nicht mehr in Canal B passten. Diese Mischung ist die nützliche Tatsache. Ein Vereinsfestival hält nicht, wenn es nur die Korsarenstadt überzeugt, und nicht, wenn es vergisst, dass es in Rennes geboren wurde. Rock Tympans musste lernen, Handwerk zu sein, ohne aufzuhören, ein Radiotisch zu sein. Renoult kehrte später ins Präsidium zurück; Floret blieb das Gedächtnis der Programmierung. Die Übergabe erzählt man als Kontinuität, nicht als Seelenwechsel.
Man muss keine längere Headlinerliste erfinden, um den Ort zu erklären. Der Ort erklärt sich durch den Rhum-Witz, durch Little Nemo im Bouvet, durch die Achthundert des ersten Winters und durch eine Festung, die Noir Désir sie nutzen lehrte. Das Publikum von La Route du Rock kauft kein nationales Markengehege. Es entscheidet sich, nach Saint-Malo zu fahren, wo Indie und Rock mit dem Akzent eines Renner Radios klingen. Diese Seltsamkeit wird nicht in einem Pariser Büro improvisiert.
La Route du Rock versteht man am besten als Februar, der nicht in Rennes bleiben wollte. Zwischen Rolland, Floret und Renoult, zwischen der Maison des Associations und dem Fort Saint-Père, zwischen Indie und Rock hat Saint-Malo ein Festival, das sich das Ufer nicht von der Erdre lieh. Rock Tympans leiht das Ohr; die Korsarenstadt leiht den Stein. Es bleibt eine Route, die lernte, Sommer zu sein, ohne aufzuhören, im Grunde ein Hafenwitz von 1991 zu sein.
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