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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Pussy Lounge Festival 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Pussy Lounge entstand 1997 in Rotterdam, Jahre bevor sich der Begriff Freestyle als gängige Beschreibung für die bewusste Mischung verschiedener Hard-Dance-Stile etablierte. Die Idee entwickelte sich rund um The Darkraver und Paul Elstak im inzwischen geschlossenen Club Heat und begann als provokante, spielerische und bewusst übertriebene Party, bei der die Musikauswahl keine festen Genregrenzen respektieren musste. Entscheidend war lediglich, dass die Tanzfläche in Bewegung blieb. Diese Freiheit wurde zum wichtigsten Merkmal eines Konzepts, das später als einer der Vorläufer der niederländischen Freestyle-Kultur gelten sollte. Als sich B2S Anfang der 2000er Jahre zu einem der bedeutenden Veranstalter für Harder Styles entwickelte, wurde Pussy Lounge Teil des Portfolios und begann eine Expansion, die aus einer Clubnacht eine der langlebigsten Marken der Szene machte.
Musikalisch gehörte Pussy Lounge nie nur einem einzigen Subgenre. Hardstyle, Early Rave, Happy Hardcore, Millennium Hardcore, Jump, Raw, Uptempo und verschiedenste Formen von Party-Musik können innerhalb eines Sets direkt aufeinanderfolgen, häufig ohne jene klare Dramaturgie, die bei spezialisierten Festivals üblich ist. Darkraver, Paul Elstak, Zany, Deepack, The Viper, Ruthless, Panic, Mental Theo und Korsakoff gehören zu den prägenden Namen dieser Entwicklung. Stilistische Reinheit war nie das Ziel; Energie und Überraschung zählen wesentlich mehr. Eine bekannte Melodie kann plötzlich in einen Hardstyle-Klassiker übergehen, danach in Hardcore beschleunigen und anschließend von einem völlig unerwarteten Track abgelöst werden, solange die Reaktion im Raum stimmt. Freestyle bedeutet hier deshalb vor allem Freiheit bei der Auswahl.
Fast ebenso wichtig wie die Musik ist die Inszenierung. Seit den frühen Jahren nutzt Pussy Lounge provokanten Humor, Tänzerinnen und Tänzer, Pole-Dance-Elemente, aufwendige Kostüme, Figuren und eine bewusst überzeichnete Bildsprache. Entertainment ist nicht bloße Dekoration rund um das DJ-Pult, sondern wird in den Ablauf der Party integriert. Hosts, Performer und DJs können an Sketchen, Kostümwechseln, überraschenden Einlagen oder chaotischen gemeinsamen Finales beteiligt sein. Central Studios, Matrixx, 013, Outland und Rotterdam Ahoy stehen für unterschiedliche Phasen der Geschichte. Die hohe Frequenz der Veranstaltungen führte dazu, dass Pussy Lounge bereits 2008 seine fünfzigste und 2019 die hundertste Ausgabe feiern konnte – eine außergewöhnliche Beständigkeit für ein Hard-Dance-Konzept mit einer so eigenwilligen Persönlichkeit.
Der nächste große Schritt bestand darin, die Clubatmosphäre ins Freie zu übertragen. 2011 fand Pussy Lounge at the Park erstmals an der Asterdplas in Breda statt und bewies, dass die Formel auch als großes Tagesfestival funktionierte. Danach entstanden weitere Varianten wie XXL, Wintercircus, Silvestereditionen und Hostings bei Großveranstaltungen wie Decibel Outdoor und Tomorrowland. 2022 ordnete B2S die Sommerversion neu und verwendete erstmals ausdrücklich den Namen Pussy Lounge Festival für eine Ausgabe im Aquabest in Best. Rund fünfzehntausend Besucher erlebten dort drei Bühnen mit Paul Elstak, Korsakoff, Darkraver, Rooler, Mental Theo, Zany, Sound Rush, Act of Rage, Rejecta, Restrained und zahlreichen weiteren Acts. Aufblasbare Installationen, Wasserflächen, Shows und bewusst absurde Produktionselemente übertrugen den Geist der alten Clubnächte auf ein vollständiges Festivalgelände.
Die zweite Ausgabe von Pussy Lounge Festival im Juni 2023 trieb die Idee eines „Cocktail of Harder Styles“ weiter. Die Mainstage bewegte sich von Hardstyle-Klassikern und Freestyle über Raw und Millennium Hardcore bis zu Hardcore und Uptempo; angekündigt wurde ein musikalischer Bereich von ungefähr 150 bis 220 BPM. Deepack, The Pitcher und Zany repräsentierten klassisches Hardstyle-Erbe, Darkraver und Outsiders den Freestyle-Gedanken, Cryex, Mish und The Purge den Raw-Bereich. Korsakoff und Nosferatu griffen Millennium-Sounds auf, bevor Never Surrender und Partyraiser die Geschwindigkeit weiter steigerten und Paul Elstak das Finale prägte. Weitere Areas widmeten sich längeren Freestyle-, Rave- und Partystyle-Sets, während das Aquabest-Gelände dem Publikum während der ungewöhnlich heißen Ausgabe sogar das Baden ermöglichte.
Danach setzte Pussy Lounge seine Geschichte vor allem mit Hostings und Sonderformaten fort und bestätigte damit, dass die Marke weder an einen bestimmten Veranstaltungsort noch an den Zusatz „Festival“ gebunden ist. 2026 kehrt sie am 31. Oktober mit einer eigenen Ausgabe auf die RTM Stage im Rotterdam Ahoy zurück, die bereits Monate vorher ausverkauft war, und bleibt gleichzeitig fester Bestandteil von Decibel Outdoor. Outsiders, Korsakoff, Zany und Mental Theo gehörten zu den ersten angekündigten Namen und verbinden verschiedene Generationen des Konzepts. Nur wenige Hard-Dance-Marken haben so viele Veränderungen der Szene überstanden und sind dennoch sofort erkennbar geblieben. Pussy Lounge gelingt das, weil seine eigentliche Identität nie auf einem exakt definierten BPM-Bereich beruhte, sondern auf musikalischer Freiheit, Theatralik, Humor, Übertreibung und dem Versprechen, dass während einer Nacht grundsätzlich alles passieren kann.
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