Ranking
#119
Ranking
#119
Follower
828.1 K

Wann
2026
Top-Künstler
Lineup folgt — wir veröffentlichen es sobald es bestätigt ist.
2 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Über viele Jahre bedeutete ein Besuch beim The BPM Festival, Schlaf eher als logistisches Problem denn als festen Bestandteil des Tages zu betrachten. Die Veranstaltung funktionierte nie nach dem klassischen Prinzip eines Festivalgeländes, das am Nachmittag öffnet und nach dem Headliner wieder leer wird. Stattdessen wurde eine Küstenstadt selbst zur Struktur. Eine Party konnte am Wasser beginnen, nach Mitternacht in einem Club weitergehen und genau dann enden, wenn irgendwo anders bereits der nächste Showcase startete. Dieses ständige Weiterziehen erklärt BPM besser als jedes einzelne Line-up. Playa del Carmen, Portugal und Costa Rica waren sehr verschieden, doch Labels, Promoter, DJs und Publikum verbanden Strände, Clubs, Rooftops und Jungle Floors immer wieder zu einem temporären gemeinsamen Netzwerk.
2008 war die Idee zunächst deutlich stärker aus der Nightlife-Branche selbst heraus gedacht. BPM stand für Bartenders, Promoters, Musicians und sollte in Playa del Carmen ein Treffen nach Silvester sein, bei dem Menschen aus der Clubindustrie nach dem anstrengendsten Abschnitt ihres Jahres zusammenkommen konnten. Craig Pettigrew und Phillip Pulitano fanden an der Riviera Maya ideale Bedingungen: warmes Wetter im Januar, viele Bars und Clubs auf relativ engem Raum und eine gewisse Entfernung zum normalen Touralltag. Aus einigen Tausend Gästen wurde ein zehntägiges internationales Ereignis mit Dutzenden Partys. Was als Erholungsreise für Branchenmenschen begonnen hatte, entwickelte sich zu einem der wichtigsten Winterziele der globalen Underground-Elektronik.
Playa del Carmen war dafür entscheidend, weil BPM die Stadt nie hinter einem abgeschlossenen Festivalgelände verschwinden ließ. Die Stadt war das Gelände. Tagsüber funktionierten Beach Clubs, nachts andere Räume, während Showcases von Labels und Party Brands jeder Veranstaltung eine eigene musikalische Sprache gaben. Richie Hawtin, Carl Cox, Jamie Jones, Luciano, Loco Dice, Solomun, Seth Troxler, Nicole Moudaber oder The Martinez Brothers mussten dabei nicht nach einer klassischen Headliner-Hierarchie geordnet werden. Viele Besucher entschieden eher nach Host und Label als nach dem größten Namen. Der Reiz lag darin, einer Szene zu folgen: nachmittags House am karibischen Wasser, später Techno in einem dunklen Club, danach womöglich ein weiterer Raum, bevor der nächste Tag wirklich begonnen hatte.
Die mexikanische Ära endete im Januar 2017 unter tragischen Umständen. In der letzten Nacht der zehnten Ausgabe kam es im Blue Parrot, einem Club des Festivalprogramms, zu einem tödlichen Angriff. Unabhängig von den späteren Debatten über Hintergründe und Verantwortung veränderte das Ereignis die Beziehung zwischen BPM und Playa del Carmen grundlegend und traf Besucher sowie Mitarbeitende unmittelbar. Das Hauptfestival kehrte nicht zurück. Noch im selben Jahr eröffnete BPM in Portugal eine neue europäische Phase rund um Praia da Rocha und weitere Orte an der Algarve. Aus zehn Tagen wurden vier, aus der Karibik der Atlantik. Die Grundidee blieb jedoch erstaunlich stabil: Showcases, mehrere Venues, House und Techno und ein Publikum, das sich durch einen Ferienort bewegte, statt an einer Mainstage zu bleiben.
Costa Rica wurde anschließend zum nächsten großen Kapitel. Im Januar 2020 fand die erste Ausgabe in Tamarindo statt, mit Veranstaltungen in der Stadt und an Orten, die stärker von tropischer Landschaft geprägt waren. Für eine Marke, die Urlaub und Clubkultur schon immer miteinander verbunden hatte, war das ein plausibler Schritt. Die Pandemie unterbrach jedoch die Entwicklung. 2021 fiel aus, und ein für Januar 2022 angekündigtes siebentägiges Festival musste nach neuen Gesundheitsbeschränkungen verschoben werden. Als BPM danach wieder regelmäßiger stattfand, entwickelte Costa Rica eine eigene Identität: Beach Events, Tages-Pop-ups in Tamarindo und größere Bühnen in der Vegetation. Es war kein Nachbau von Mexico. Wege, Hitze, Landschaft und Entfernung veränderten die Art, wie sich der Festivaltag anfühlte.
Die Hauptausgabe im Januar 2024 zeigte diese Version besonders vollständig. Mehr als hundert Künstler spielten über fünf Tage auf drei Jungle Stages, an einem neuen Sunset-Beach-Spot und bei zusätzlichen Pop-ups in Tamarindo. Bedouin, Hernán Cattáneo, Paco Osuna, GORDO, Eli & Fur, Franky Rizardo, Mason Collective und Stacey Pullen gehörten zu einem Programm, das weiterhin eher durch Szenen und Veranstalter als durch eine große Headliner-Pyramide organisiert war. Im März folgte zusätzlich eine dreitägige Easter Edition in Roca Mística. BPM schien damit in Costa Rica nicht nur einen jährlichen Termin, sondern eine dauerhaftere Basis gefunden zu haben. Gleichzeitig wuchsen aber auch die Fragen danach, wie gut ein internationales Festival dieser Größenordnung mit kleineren lokalen Communities zusammenpassen konnte.
Für 2025 brach dieser Konflikt offen auf. BPM plante einen neuen Festivalstandort bei Playa Avellanas und kündigte fünf Tage mit unter anderem Adriatique, Âme, ARTBAT und CamelPhat an. Bewohner und lokale Organisationen stellten sich gegen das Projekt und verwiesen auf Sicherheit, Lärm, Infrastruktur und Umweltbelastung. Kurz vor Beginn wurde ein großer Teil der Veranstaltungen wieder nach Tamarindo verlagert. Einige Partys starteten am 8. Januar tatsächlich, doch anschließend kam es zu Schließungen und Absagen im Zusammenhang mit Genehmigungen. Am 10. Januar erklärte das Festival schließlich sämtliche verbleibenden Veranstaltungen für abgesagt. Es handelte sich also nicht um eine vollständig durchgeführte Ausgabe mit einem problematischen Abend, sondern um ein Festival, das während seines eigenen Ablaufs zerbrach.
Seitdem ist vor allem das Fehlen neuer Termine auffällig. The BPM Festival besitzt weiterhin seine offizielle Website und eine international bekannte Marke, doch am 12. August 2026 ist weder für 2026 noch für 2027 eine neue Flagship-Ausgabe bestätigt. Ein endgültiges Ende lässt sich daraus nicht seriös ableiten; eine normale aktive Fortsetzung ebenso wenig. Der passende Status ist deshalb Zukunft ungewiss. BPM hat bereits bewiesen, dass es nach starken Brüchen seine Geografie wechseln kann, ohne sein Grundprinzip zu verlieren. Es verließ Playa del Carmen, baute eine europäische Phase in Portugal auf und fand später in Costa Rica eine neue tropische Heimat. Sollte es erneut zurückkehren, dürfte deshalb nicht nur das Line-up entscheidend sein. Bei BPM war der Ort immer Teil der Musik – und genau diesen Ort muss die Marke erst wieder finden.
Zeitstrahl
Ein Künstler pro Jahr — bestes Ranking
Die mit den meisten Auftritten in dieser Franchise.
#1Brasil
1 Editionen · 2023
#2Francia
1 Editionen · 2023
#3Italia
1 Editionen · 2023