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1 von 1 Editionen

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Zahlen, Heimatort und Eigenheiten

Dokumentierte Editionen12023–2023
Jahre Geschichte16 Jahreseit 2011
Übliches LandSpanien

Über das Festival

Für einen Tag im September besaß Madrid bei DCODE etwas, das bei großen Stadtfestivals überraschend selten ist: echten Rasen unter den Füßen. Der Sportkomplex Cantarranas der Universidad Complutense lag nicht am äußersten Stadtrand und war kein eigens errichtetes Eventareal, sondern ein universitärer Sportplatz mitten im Alltag Madrids, nur wenige Minuten von Moncloa entfernt. Auch der Termin wurde Teil der Identität. Die Sommerferien endeten, Studenten kehrten zurück, und bevor die Stadt wieder vollständig in ihren normalen Rhythmus fiel, trafen sich Tausende noch einmal zu Gitarren, Pop und elektronischer Musik. DCODE wurde so weniger zur Flucht aus Madrid als zu einem gemeinsamen musikalischen Wiedereintritt in die Stadt.

Die Premiere am 24. und 25. Juni 2011 war deutlich breiter angelegt, als das spätere Ein-Tages-Modell vermuten lässt. Live Nation, die Universidad Complutense und ihre Partner präsentierten ein Treffen von Musik, Kunst und zeitgenössischen Trends. My Chemical Romance, Kasabian, The Hives, Band of Horses, Eels, The Ting Tings, Crystal Castles, Foster the People und The Vaccines standen neben spanischen Namen wie Lori Meyers, Manel, The New Raemon oder Toundra. Besonders auffällig war das Produktionsmodell mit zwei koordinierten Hauptbühnen. Wichtige Konzerte sollten sich nicht überschneiden, sodass Besucher tatsächlich große Teile des Programms verfolgen konnten, ohne ständig einen Auftritt in der Mitte verlassen zu müssen.

Auch Kunst war anfangs wesentlich stärker sichtbar. Im universitären C arte C fand Artbarter statt, eine Ausstellung, bei der Kunstwerke getauscht statt klassisch verkauft wurden und an der unter anderem Miquel Barceló, Ouka Leele, Mariscal und Ángela de la Cruz beteiligt waren. DCODE verstand den Campus damit nicht nur als Mietfläche. Später rückte die Musik klar in den Mittelpunkt, doch die Verbindung zur Universität blieb bestehen. DCODE LAB brachte Studierende, Lehrende und Vertreter der Live-Industrie zusammen; ECODE widmete sich ökologischen Fragen; DCODE KIDS schuf einen eigenen Bereich für Familien. Das Festival wuchs also nicht nur über größere Headliner, sondern auch über die Frage, wie ein kommerzielles Musikereignis mit einem öffentlichen Universitätsraum zusammenarbeiten kann.

Nach den ersten beiden Ausgaben veränderte sich die Struktur grundlegend. 2012 spielten The Killers, Sigur Rós, Justice, The Kooks, Kings of Convenience, dEUS und Django Django noch über zwei Tage verteilt. Ab 2013 konzentrierte sich DCODE weitgehend auf einen einzigen langen Samstag im September. Gerade diese Verdichtung wurde zu einer Stärke. Statt Camping und mehrtägiger Reise gab es Metro, einen kurzen Fußweg von Moncloa und anschließend fünfzehn oder sechzehn Stunden Musik. Der Komfort des Geländes täuschte allerdings nicht darüber hinweg, dass ein dichter Timetable eigene Entscheidungen verlangte. Wer essen, sich auf den Rasen setzen oder kurz aus der Menge zurückziehen wollte, musste akzeptieren, dabei möglicherweise einen Teil eines Konzerts zu verpassen.

Stilistisch bewegte sich DCODE zwischen internationalem Indie, Alternative Rock und einem zunehmend offenen Popverständnis. Franz Ferdinand, Beck, Interpol, Imagine Dragons, Liam Gallagher, Sam Smith, Foals, Suede, Jorja Smith und The Cardigans gehörten zu den internationalen Namen, während Amaral, Vetusta Morla, Izal, Supersubmarina, Love of Lesbian, Dorian oder Carolina Durante unterschiedliche Phasen der spanischen Szene repräsentierten. 2019 zeigte diese Mischung besonders deutlich: Two Door Cinema Club und Kaiser Chiefs trafen auf Amaral, The Cardigans spielten Gran Turismo vollständig, und Carolina Durante stand für eine wesentlich jüngere Madrider Gitarrengeneration. Nostalgie war erlaubt, aber sie durfte das Festival nicht in eine reine Rückschau verwandeln.

Auch das Publikum wurde breiter, ohne dass DCODE seine abendliche Festivalatmosphäre verlor. Kinder unter zehn Jahren konnten kostenlos hinein, und DCODE KIDS bot Spiele, Aktivitäten und eigene Konzerte. Dadurch konnten Eltern einen langen Festivaltag erleben, ohne so zu tun, als würden kleine Kinder stundenlang vor derselben Hauptbühne aushalten. Später verschob sich die Stimmung ohnehin, wenn die großen internationalen Acts den Abend übernahmen. Cantarranas unterstützte diese Mischung: natürlicher Rasen, Platz zum Sitzen, Food-Bereiche und öffentliche Verkehrsmittel machten das Gelände ausgesprochen zugänglich. Gleichzeitig blieb die Universität im Hintergrund immer sichtbar. Zwischen Fakultäten auf einem Rugbyfeld zu tanzen, fühlte sich anders an als ein vollständig künstlich gebauter Entertainment-Komplex.

Der kontinuierliche Rhythmus brach genau vor dem zehnten Jubiläum. 2020 sollte DCODE wieder auf zwei Tage wachsen, mit Vetusta Morla, Leiva, Crystal Fighters, Sidonie, Coque Malla und Fuel Fandango. Die Pandemie verschob diese Ausgabe zunächst auf 2021. Dort kamen Queens of the Stone Age und The Hives hinzu, doch die Unsicherheit für Großveranstaltungen zwang die Organisatoren zu einer weiteren Verschiebung. Erst am 17. September 2022 fand wieder ein vollständiges DCODE statt: sechzehn Stunden mit Crystal Fighters, The Kooks, Years & Years, The Hives, Viva Suecia, Maxïmo Park, Delaporte und einem exklusiven Deluxe-Comeback. Nach drei Jahren ohne durchgeführte Ausgabe war die Rückkehr auf den Rasen selbst Teil des Ereignisses.

2023 entstand eine neue Krise. Lewis Capaldi sollte Headliner sein, beendete jedoch seine Tournee, und DCODE erklärte, in der verbleibenden Zeit keinen angemessenen Ersatz finden zu können. Das gesamte Festival wurde abgesagt. Auch der angekündigte Neustart 2024 kam nicht zustande. Live Nation erklärte später, dass ungeklärte Kapazitäten von Cantarranas und die Kosten der Infrastruktur das Modell erschwerten; für eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft könne sogar eine Rückkehr zu zwei Tagen notwendig sein. Im September 2026 führt Live Nation DCODE weiterhin unter seinen Festivals, nennt aber keine neue Veranstaltung. Damit bleibt es pausiert. Das Problem ist zugleich seine interessanteste Frage: Der Sportplatz, der eine Wiederaufnahme kompliziert, ist genau jener Ort, ohne den DCODE möglicherweise nur ein weiteres Festival in Madrid wäre.

Offizielle Website · www.dcodefest.com

Social Media

Genres

INDIE

POP

ROCK

Steckbrief

Üblicher Monat
September
Typische Dauer
1 Tage
Übliche Stadt
Madrid, Madrid
Veranstalter
Live Nation y Universidad Complutense de Madrid
Erste Edition
2011

Zeitstrahl

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