2023

HOUSE - TECHNO

NAME Festival

Ranking

#782

Follower

52 K

✓ 1 dokumentierte Editionen — 6 Künstler haben teilgenommen

Bei welcher warst du (oder wirst du sein)?

1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit

1 von 1 Editionen

Fan service

Zahlen, Heimatort und Eigenheiten

Dokumentierte Editionen12023–2023
Jahre Geschichte22 Jahreseit 2005
Übliches LandFrankreich

Über das Festival

Fabriken, alte Bahnhöfe, Häfen und stillgelegte Bergwerke sind normalerweise ziemlich gut darin, ruhig zu bleiben. Das NAME Festival beweist seit mehr als zwei Jahrzehnten, dass sie mit einem geeigneten Soundsystem auch hervorragend als Clubs funktionieren können. Seit 2005 baut das französische Festival einen großen Teil seiner Identität darauf auf, Industrie- und Kulturerbe im Norden Frankreichs vorübergehend mit Techno, House, visueller Kunst und Clubkultur zu füllen. Der Veranstaltungsort ist dabei nie bloß austauschbare Fläche. Ein ehemaliges Postzentrum in Lille, eine Industrieanlage in Roubaix oder ein Bergwerk in Oignies werden selbst Teil der Erzählung.

Entstanden ist NAME aus Art Point M und dem kreativen Umfeld der Künstlerin Fanny Bouyagui. Der Zeitpunkt war entscheidend. Mitte der 2000er Jahre suchte die europäische Rave-Kultur nach neuen Formen, nachdem viele illegale Veranstaltungen stärker unter Druck geraten waren. Clubs, Kulturinstitutionen und Festivals übernahmen Teile dieser Energie. Genau in diesem Übergang entstand NAME. Die erste Ausgabe verteilte sich bereits auf Lille, Dunkerque und Maubeuge und kombinierte internationale DJs, elektronische Live-Acts und visuelle Arbeiten. Ellen Allien war von Beginn an dabei und wurde zur Patin des Festivals.

Die frühen Programme lesen sich heute wie ein präzises Archiv europäischer Clubmusik dieser Zeit. Ricardo Villalobos, Luciano, Matthew Herbert, Marc Houle, Troy Pierce, Superpitcher, Sascha Funke, Booka Shade, M.A.N.D.Y., Ivan Smagghe und Steve Bug standen neben französischen und regionalen Künstlern. Lokale Namen wurden nicht nur benutzt, um die ersten Stunden zu füllen. Entdeckung war von Anfang an Teil des Konzepts. Internationale Figuren, neue Produzenten und Musiker aus Nordfrankreich konnten innerhalb desselben Programms auftreten.

Als sich die elektronische Musik veränderte, änderte sich auch NAME. Das Festival blieb nicht in der Minimal-Techno-Ästhetik der Jahre 2005 oder 2006 stecken. House, Acid, Electro, Indie Dance, härtere Techno-Varianten und immer neue Clubströmungen kamen hinzu. Laurent Garnier, Nina Kraviz, Charlotte de Witte, Solomun, Maceo Plex, Adriatique, Kobosil oder Indira Paganotto stehen für sehr unterschiedliche Phasen. Konstant blieb die Perspektive des Clubs: guter Sound, genügend Zeit für Sets und eine enge Beziehung zwischen Künstler, Raum und Tanzfläche.

Die Orte wurden mit der Zeit fast zu zusätzlichen Acts. La Condition Publique in Roubaix entwickelte sich zu einer besonders wichtigen Heimat des Festivals. Gare Saint Sauveur bot tagsüber Räume in Lille, die Jesuitenkapelle in Saint-Omer kombinierte elektronische Musik mit sakraler Architektur, und das ehemalige Bergwerk 9-9bis in Oignies führte die industrielle Logik auf besonders eindrucksvolle Weise weiter. Fördergerüste und alte Bergbaustrukturen umgeben dort eine Tanzfläche, auf der Maschinenrhythmus in anderer Form zurückkehrt. Dass Techno in einem ehemaligen Industriegebiet funktioniert, wirkt plötzlich weniger wie ein ästhetischer Trick als wie eine historische Fortsetzung mit anderen Werkzeugen.

Neben den Nächten entstand eine pädagogische Ebene. Seit 2007 organisiert die NAME Academy Workshops, Masterclasses und Begegnungen zur elektronischen Musikproduktion. Schülerinnen, Schüler, Interessierte und erfahrenere Produzenten können dort Werkzeuge kennenlernen, die im eigentlichen Festivalbetrieb normalerweise unsichtbar bleiben. Diese Arbeit erklärt, weshalb Art Point M NAME nicht nur als Festival, sondern als Plattform beschreibt. Aus demselben Umfeld entstanden weitere Projekte und später auch das Label Family NAME.

2025 feierte NAME zwanzig Jahre Geschichte auf dem Gelände des 9-9bis. Ellen Allien kehrte erneut zurück und entwickelte dabei eine besondere Arbeit mit dem Métaphone, einem Konzertgebäude, dessen Fassade selbst als Instrument genutzt werden kann. 999999999, Jennifer Cardini, Âme, Adiel, Salome, Soft Crash, Hardt Antoine, Yanamaste und zahlreiche regionale Künstler zeigten gleichzeitig, wie sehr sich die musikalische Sprache seit der ersten Ausgabe verändert hatte. Trotzdem blieb der menschliche Maßstab wichtig. NAME will eher temporärer Club als elektronisches Stadion sein.

Danach wird die Zukunft unsicherer. Eine für 2026 geplante Ausgabe in der Condition Publique in Roubaix wurde aus Gründen abgesagt, die laut Organisation nicht von Art Point M selbst entschieden wurden. Gleichzeitig erklärten die Veranstalter ausdrücklich, dass NAME in neuen Formen weiterleben soll. Diese offene Situation passt erstaunlich gut zu einem Festival, das ohnehin ständig Gebäude, Städte und Formate gewechselt hat. NAME hatte nie nur eine feste Adresse. Sein eigentliches Gelände ist der industrielle Norden Frankreichs und die Vorstellung, dass hinter einer seit Jahrzehnten geschlossenen Tür vielleicht doch noch eine Tanzfläche wartet.

Offizielle Website · lenamefestival.com

Social Media

Genres

HOUSE

TECHNO

Steckbrief

Üblicher Monat
Oktober
Typische Dauer
2 Tage
Übliche Stadt
Roubaix
Veranstalter
Fanny Bouyagui
Erste Edition
2005

Zeitstrahl

Ein Künstler pro Jahr — bestes Ranking

Wiederkehrende Künstler

Die mit den meisten Auftritten in dieser Franchise.