1990–2027

INDIE - POP - ROCK

Bumbershoot

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Bumbershoot 2027

Wann

2027

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Lineup folgt — wir veröffentlichen es sobald es bestätigt ist.

Fan service

Zahlen, Heimatort und Eigenheiten

Dokumentierte Editionen181990–2027
Jahre Geschichte56 Jahreseit 1971
Übliches LandVereinigte Staaten

Über das Festival

Man kann wegen einer Band zu Bumbershoot kommen und einige Stunden später bei Tanz, Wrestling, einer Installation, einem Kurzfilm oder einer Performance stehen, die im eigenen Plan überhaupt nicht vorgesehen war. Genau diese Möglichkeit, sich vom ursprünglichen Vorhaben abbringen zu lassen, beschreibt das Festival besser als jede Genrebezeichnung. Am Labor-Day-Wochenende wird Seattle Center nicht einfach mit Musikbühnen gefüllt. Der gesamte Campus verbindet Konzerte mit bildender Kunst, Film, Performance, Comedy, Mode, Essen und Formen von Unterhaltung, die sich kaum sauber einordnen lassen. Es gibt keinen Campingplatz und keine künstliche Trennung von der Stadt. Die Space Needle bleibt sichtbar, Seattle beginnt direkt außerhalb des Geländes, und Besucher bewegen sich zwischen Plätzen, Theatern und Außenflächen auf sehr unterschiedlichen Wegen.

Diese Breite gehört seit 1971 zum Konzept. Seattle befand sich damals nach der schweren Boeing-Krise in einer wirtschaftlich deprimierten Phase, und Festival ’71 sollte als große öffentliche Kunstveranstaltung auch den Seattle Center nach der Weltausstellung von 1962 wieder stärker für die Stadtbevölkerung nutzen. Musik stand von Anfang an neben Tanz, Theater, Kunsthandwerk, Kinderangeboten und visuellen Experimenten. Die Veranstaltung war weitgehend kostenlos und vor allem lokal geprägt. 1973 erhielt sie den Namen Bumbershoot, ein altes Wort für Regenschirm, das sich fast zufällig als perfekte Metapher erwies. Unter diesem Schirm konnte alles Platz finden, ohne dass Literatur, Tanz oder bildende Kunst erklären mussten, warum sie auf demselben Programm wie große Konzerte standen.

Mit dem Wachstum entstand jedoch ein Problem, das Bumbershoot jahrzehntelang begleiten sollte: Eine zugängliche Bürgerveranstaltung und hochkarätige nationale Künstler kosten sehr unterschiedlich viel Geld. One Reel übernahm 1980 die Produktion und prägte die bekannteste lange Phase des Festivals. Eintrittspreise wurden eingeführt, internationale Namen erhielten größere Bühnen und die Produktion wurde professioneller, doch der multidisziplinäre Kern blieb erhalten. Literaturveranstaltungen, Independent-Film, experimentelles Theater, Comedy, Tanz und Kunst waren keine bloßen Pausenfüller. Gerade weil alles räumlich nahe beieinanderlag, konnte jemand wegen eines Headliners kommen und auf dem Weg dorthin eine Kunstform entdecken, für die er normalerweise kein separates Ticket gekauft hätte.

Auch Seattles eigene Kulturgeschichte wurde auf diesen Bühnen sichtbar. Soundgarden spielte 1990 bei Bumbershoot, als die lokale Independent-Szene kurz davorstand, weltweit mit Seattle identifiziert zu werden. Später nahm das Festival Hip-Hop, elektronische Musik, Indie und Pop auf und behielt gleichzeitig Künstler aus dem Pacific Northwest im Programm. Die Ausgabe 2006 zeigt die Spannweite besonders deutlich: Kanye West, Feist, Spoon und der damals noch junge Macklemore standen im selben Festival wie Alison Bechdel, Chuck Palahniuk, Zach Galifianakis, Pacific Northwest Ballet und Roller Derby. Als herkömmliches Musik-Line-up wäre diese Mischung kaum erklärbar. Als Nutzung eines ganzen Kulturcampus war sie logisch: Bumbershoot bot keine einheitliche Erfahrung, sondern viele mögliche Versionen desselben Wochenendes.

Die Größe brachte irgendwann finanzielle Belastungen mit sich. Produktionskosten und Ticketpreise stiegen, One Reel geriet wirtschaftlich unter Druck und ab 2015 übernahm AEG Presents die führende Produzentenrolle. Dadurch konnte das gefährdete Festival weiterbestehen und zugleich große zeitgenössische Musikprogramme anbieten. Macklemore & Ryan Lewis, Death Cab for Cutie, Tame Impala, Halsey, Run the Jewels und Anderson .Paak konnten innerhalb derselben Ausgabe auftreten. Gleichzeitig wurde in Seattle intensiver darüber diskutiert, ob Bumbershoot dabei seine ursprüngliche Aufgabe verliere. Die Sorge war, dass aus einem breit angelegten Kunstfestival ein gewöhnliches großes Musikfestival werden könnte, bei dem andere Disziplinen nur noch Randprogramm sind. Als AEG nach 2019 ausstieg, war deshalb nicht nur die Finanzierung, sondern auch das Selbstverständnis ungeklärt.

Die Pandemie verlängerte diese Unsicherheit zu einer dreijährigen Pause. 2020 und 2021 fanden keine Ausgaben statt, und 2022 wurde genutzt, um ein neues Produktionsmodell aufzubauen. Als Bumbershoot 2023 unter New Rising Sun, Third Stone und Seattle Center zurückkehrte, wurde der Neustart bewusst als Rückbesinnung auf die eigene Geschichte beschrieben. Künstler aus dem Pacific Northwest sollten wieder stärker sichtbar werden, die verschiedenen Kunstformen erhielten mehr Gewicht und niedrigere beziehungsweise subventionierte Ticketpreise sollten die Zugänglichkeit verbessern. Der wichtigste Unterschied lag vielleicht im Weg über das Gelände: Mode, bildende Kunst, Film und ungewöhnliche Performances sollten wieder echte Alternativen zum nächsten Konzert sein. Effizientes Abhaken des Musikplans war nicht mehr die einzige sinnvolle Art, den Tag zu verbringen.

2025 wirkte dieses neue Modell bereits weniger wie ein Experiment. Weezer, Janelle Monáe, AURORA, Car Seat Headrest, Bright Eyes, Sylvan Esso, The Linda Lindas, Saba und Digable Planets verbanden unterschiedliche Generationen, während Pretty Girls Make Graves und The Murder City Devils eine besonders direkte Verbindung zur Geschichte der lokalen Szene herstellten. Dazu kamen weiterhin Kunst, Performance, Film, Mode und Kulinarik. Seattle Center erweist sich dabei als entscheidender Vorteil. Bestehende Theater und Kulturgebäude wechseln sich mit Plätzen und großen Außenbereichen ab, sodass das Festival immer wieder zwischen Masse und Nähe wechseln kann. Ein riesiges Publikum vor einer Bühne kann wenige Minuten später einem deutlich kleineren, merkwürdigeren Moment Platz machen.

Am 5. und 6. September 2026 setzt sich diese Idee fort. Turnstile und Death Cab for Cutie führen ein Musikprogramm mit Blood Orange, Orville Peck, Lucy Dacus, Chase & Status, Bikini Kill, De La Soul, Molchat Doma, Yves Tumor, ATARASHII GAKKO!, Peaches, Noname und Silvana Estrada an. Hardcore, Indie, Hip-Hop, Drum & Bass, Post-Punk und experimenteller Pop treffen erneut auf ein Kunstprogramm, das weit über Konzertbühnen hinausreicht. Nach mehr als fünf Jahrzehnten besteht die eigentliche Tradition von Bumbershoot deshalb nicht darin, einen bestimmten Sound zu bewahren. Sie besteht darin, Seattle Center regelmäßig so weit zu öffnen, dass Menschen mit völlig unterschiedlichen Interessen unter demselben kulturellen Schirm landen und erst dort entdecken, was sie miteinander teilen.

Offizielle Website · www.bumbershoot.com

Social Media

Genres

INDIE

POP

ROCK

Steckbrief

Üblicher Monat
August
Typische Dauer
3 Tage
Übliche Stadt
Seattle, Washington
Längste Serie
8 Jahre hintereinander
Veranstalter
One Reel
Erste Edition
1971

Zeitstrahl

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