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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Elektric Park Festival 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Die Ausgangsidee von Elektric Park entstand nicht in Frankreich, sondern während Joachim Garrauds Reisen durch Australien. Ende der 2000er Jahre erlebte er dort große elektronische Open-Air-Festivals, die am Tag stattfanden und mit Sonne, Verkleidungen und einer lockeren Atmosphäre arbeiteten. Zurück in der Region Paris fragte er die Stadt Chatou, ob er die Île des Impressionnistes für eine ähnliche Veranstaltung nutzen könne. Am 3. Juli 2010 fand dort die erste Ausgabe unter dem Namen Inox Park statt. Rund 12.000 Menschen kamen bereits zum Debüt, unter anderem für Martin Solveig, Bob Sinclar und Eric Prydz. Damit war aus einer Idee, die Garraud ursprünglich als große Party unter Freunden beschrieben hatte, sofort ein Festival mit regionaler Bedeutung geworden. Die Location half dabei erheblich. Die Insel liegt an der Seine westlich von Paris, ist über den RER relativ schnell erreichbar und wirkt dennoch wesentlich grüner und abgeschlossener als ein klassisches Stadtfestival. Genau diese Mischung aus Nähe zur Metropole und landschaftlicher Trennung prägt den Charakter bis heute.
In den folgenden Jahren wuchs Inox Park parallel zur europäischen EDM-Welle. Tiësto, Armin van Buuren, Axwell und andere große Namen spielten in Chatou, doch das Festival begann gleichzeitig, weitere elektronische Szenen sichtbar zu machen. Techno, Trance, Psytrance und härtere Styles bekamen eigene Bereiche, später kamen Drum & Bass und Dubstep stärker hinzu. 2017 wurde aus Inox Park offiziell Elektric Park. Es handelte sich nicht um eine Neugründung, sondern um eine neue Marke für dasselbe Festival: Joachim Garraud blieb beteiligt, die Île des Impressionnistes blieb die Location und auch das Grundprinzip änderte sich nicht. Dennoch war der neue Name ein sinnvoller Wendepunkt. Farblich markierte Bühnen wie Yellow, Red, Blue und Black wurden immer stärker mit bestimmten Sounds verbunden. Damit konnte ein Besucher einen fast vollständigen Hard-Music-Tag erleben, während jemand anderes hauptsächlich House oder Bass Music hörte. Elektric Park war zunehmend kein Festival mit einer einzigen musikalischen Mitte mehr.
Zum zehnjährigen Jubiläum 2019 wurde sogar die Anreise Teil der Inszenierung. Eine elektronische Bootsfahrt auf der Seine führte einige Gäste nach Chatou und erweiterte den Festivaltag über die Insel hinaus. 2020 kam dann die erste echte Unterbrechung. Die Veranstalter hielten lange an der September-Ausgabe fest, mussten aber absagen, als die französischen COVID-Regeln große Veranstaltungen auf maximal 5.000 Menschen begrenzten. 2021 kehrte Elektric Park erstmals als zweitägiges Festival zurück. 2022 kamen rund 30.000 Besucher, mehr als achtzig Acts verteilten sich auf mehrere Bühnen. Purple Disco Machine, Polo & Pan, Martin Solveig und Breakbot deckten House und Disco ab; Sam Paganini und Lilly Palmer Techno; Sefa, Billx und Partyraiser härtere Stile; Andy C, Zomboy, Kanine und ATLiens Bass Music und Drum & Bass. Die Programmierung zeigte, dass die Diversität nicht nur ein Nebeneffekt gewachsener Bühnenzahl war. Unterschiedliche Szenen waren inzwischen gleichberechtigte Gründe, das Festival zu besuchen.
2024 musste die Organisation aus einem völlig anderen Grund zurückbauen. Wegen der Olympischen Spiele in Paris standen Polizei, Feuerwehr und Sicherheitskräfte für Veranstaltungen Ende August nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Statt des geplanten Wochenendes fand Elektric Park am 15. Juni statt, nur einen Tag lang. Etwa 10.000 Menschen kamen zu dieser vierzehnten realisierten Ausgabe. Auch 2025 blieb der Festivalbetrieb auf einen Samstag konzentriert, doch die künstlerische Richtung wurde erneut verändert. Eine 360-Grad-Bühne brachte DJs näher ins Publikum, eine versteckte Stage sollte Entdeckung erzeugen und die Blue Stage kehrte für Bass Music zurück. Ran-D, Rebelion, Hysta, Korsakoff, Dirtyphonics, Flux Pavilion, Camo & Krooked, Reaper und Fatima Hajji machten deutlich, wie stark sich das Verhältnis der Genres verschoben hatte. Das Festival, das einst vor allem mit großen House- und EDM-Namen gewachsen war, hatte inzwischen ein sehr junges Publikum für Hardstyle, Hardcore, Bass und schnellen Techno aufgebaut.
Die nächste Ausgabe ist für den 5. und 6. September 2026 angekündigt und steht zum jetzigen Zeitpunkt noch bevor. Elektric Park arbeitet erstmals mit Madame Loyal zusammen, einem Konzept, das elektronische Raves mit Jahrmarkt, Performances und immersiver Gestaltung verbindet. Wieder sind zwei Tage geplant, diesmal mit vier Bühnen und mehr als sechzig Acts. Bob Sinclar und A-Trak stehen für eine House-Geschichte, die bis zu den frühen Jahren des Festivals zurückreicht; Petit Biscuit und Ascendant Vierge bringen jüngere französische Ansätze; Skream & Benga und Ivy Lab vertreten Bass-Kultur; Miss K8 B2B Mad Dog, Billx und Phuture Noize B2B B-Front bilden einen klaren Hard-Music-Schwerpunkt. Joachim Garraud selbst spielt B2B mit Damien RK. Nach so vielen Stilwechseln ist bemerkenswert, was unverändert geblieben ist: Nicht ein bestimmter Sound hält Elektric Park zusammen, sondern der wiederkehrende Umbau derselben Insel. Für ein Wochenende wird ein historischer Ort an der Seine neu verkabelt, danach verschwinden die Bühnen wieder und Chatou bekommt sein normales Ufer zurück.
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