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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Euroblast Festival 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Das Euroblast Festival entstand in Köln aus einem sehr konkreten Bedürfnis. Ende 2007 waren die langjährigen Freunde und Schlagzeuger John Giulio Sprich und Daniel Schneider überzeugt, dass es in Deutschland keine passende Plattform für Bands gab, die modernen Metal technisch, progressiv und experimentell weiterentwickelten. Also beschlossen sie, selbst eine zu schaffen. Am 24. Mai 2008 fand im Bogen 2 die erste Ausgabe vor nur etwa 250 Menschen statt. Auf der Bühne standen überwiegend kleinere deutsche Bands, und wenig deutete darauf hin, dass daraus einmal ein international bekanntes Festival entstehen würde. Die zentrale Idee war jedoch bereits vorhanden: Euroblast wollte Musik entdecken, bevor sie für den Rest der Szene offensichtlich wurde.
Die ersten Jahre verliefen ungewöhnlich dynamisch. Euroblast war zunächst kein einmal jährlich stattfindendes Festival, sondern wurde 2008 und 2009 mehrfach als einzelne „Volumes“ veranstaltet. In dieser Phase experimentierte das Team mit Format und Größe. Eine Geschichte aus dem Jahr 2009 steht bis heute beispielhaft für die spätere Bedeutung des Festivals: TesseracT, damals noch ohne Plattenvertrag und außerhalb Großbritanniens weitgehend unbekannt, spielten bei Euroblast ihren ersten Auftritt außerhalb des Vereinigten Königreichs. Solche Momente machten das Festival für Labels, Musiker und besonders neugierige Fans interessant.
Ab 2010 konzentrierte sich Euroblast verstärkt auf die damals junge Djent-Bewegung. Tief gestimmte Gitarren, synkopierte Rhythmen, komplexe Taktarten und extrem präzise digitale Produktion prägten eine neue Generation des Progressive Metal. Bands wie TesseracT, Monuments und Vildhjarta wurden eng mit dieser Entwicklung verbunden und fanden bei Euroblast früh ein Publikum. Trotzdem wollte das Festival nie ausschließlich eine Djent-Veranstaltung sein. Progressive Rock, Technical Death Metal, Post-Metal, Math Rock, Ambient, elektronische Elemente und Jazz-Einflüsse wurden zunehmend selbstverständlich. „Progressive“ entwickelte sich damit eher zu einer Haltung als zu einer festen Genregrenze.
Auch das Veranstaltungsformat veränderte sich. 2011 wurde Euroblast erstmals auf drei Tage erweitert, später nutzte es mehrere Kölner Clubs. Seit 2013 ist die Essigfabrik Köln die dauerhafte Heimat. Das ehemalige Industriegebäude erwies sich als ideal, weil das Festival dadurch kompakt bleiben konnte. Statt auf ein riesiges Außengelände umzuziehen, nutzt Euroblast zwei nahe beieinanderliegende Bühnen innerhalb desselben Komplexes. Die Organisatoren versuchen Überschneidungen möglichst zu vermeiden, sodass Besucher theoretisch fast jede Band sehen können. Dadurch verändert sich auch die Art, ein Line-up wahrzunehmen. Wer wegen einer bekannten Band kommt, bleibt häufig einfach stehen und erlebt danach einen Künstler, von dem er vorher noch nie gehört hat.
Workshops, Instrumentenaussteller und der direkte Austausch zwischen Musikern und Publikum gehören ebenfalls zum Konzept. Viele Besucher spielen selbst Gitarre oder Schlagzeug, produzieren Musik oder sind Mitglieder eigener Bands. Zwischen Konzerten können sie Instrumente ausprobieren, technische Demonstrationen besuchen oder Musiker treffen. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die teilweise an eine internationale Fach- und Community-Veranstaltung erinnert. Über die Jahre kamen Bands und Fans aus zahlreichen Ländern nach Köln; mehr als vierhundert Gruppen sind Teil der Euroblast-Geschichte geworden. Für einige war der Auftritt dort ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu größeren Tourneen oder Plattenverträgen.
Die Pandemie unterbrach diese Entwicklung, doch Euroblast kehrte anschließend zu seinem vertrauten Prinzip zurück. Im September 2025 spielten TesseracT erneut bei jenem Festival, das eng mit ihrer frühen internationalen Geschichte verbunden ist. Voyager, Night Verses, Intervals, DVNE, Ihlo, Dream State, The Intersphere und viele jüngere Bands ergänzten die Ausgabe. Vom 25. bis 27. September 2026 folgt das nächste Festival mit Haken, Vildhjarta, The Dear Hunter, Swallow the Sun, Agent Fresco, Iotunn und Einar Solberg.
Fast zwei Jahrzehnte nach den 250 Besuchern im Bogen 2 besitzt Euroblast eine bemerkenswerte Position innerhalb der europäischen Metalszene. Es ist international bedeutend, ohne riesig zu sein, technisch anspruchsvoll, ohne den Gemeinschaftscharakter zu verlieren, und spezialisiert, ohne musikalisch eng zu werden. Der eigentliche Headliner ist oft nicht die größte Band auf dem Poster, sondern die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken. Genau darin liegt die Besonderheit: Während viele Festivals vor allem bekannte Namen bestätigen, erwartet das Euroblast-Publikum ausdrücklich, überrascht zu werden.
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