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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Face and Si Festival 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Über mehr als zwanzig Jahre war Face & Si für Mouilleron-le-Captif ein fester Übergang vom Sommer in den September. Das Festival definierte sich nicht über eine einzelne Musikszene und erwartete auch nicht, dass sein Publikum dieselben Vorlieben teilte. Kinder, Jugendliche, Eltern und ältere Besucher konnten denselben Tag im Parc de Beaupuy verbringen und dabei vollkommen unterschiedliche Programme erleben. Genau darin lag die Besonderheit. Zwischen Grünflächen, Château-Umgebung, Zelten und Familienbereichen konnte ein französischer Popstar auf eine Rockband folgen, während wenige Meter entfernt Straßentheater, Kinderprogramm oder ein DJ-Set stattfanden. Bei einem spezialisierten Festival hätte diese Mischung schnell beliebig wirken können. Face & Si war jedoch als gemeinschaftliches Ereignis gedacht, bei dem Vielfalt wichtiger war als stilistische Reinheit. Der eigentliche gemeinsame Nenner war nicht ein Genre, sondern die Vorstellung, das Ende des Sommers für ein Wochenende mit möglichst vielen Menschen aus der Region zu teilen.
Die Geschichte begann 1998 im Bereich Les Étangs und war zunächst stark auf die Einwohner von Mouilleron-le-Captif ausgerichtet. Auch mit wachsender Bekanntheit blieb diese kommunale Herkunft ein wesentlicher Teil der Struktur. Das Programm konnte Roger Hodgson, Patrick Bruel, Jenifer, Lost Frequencies, Black M, Biga*Ranx oder später Louis Bertignac umfassen, ohne dass sich Face & Si dauerhaft einer dieser musikalischen Richtungen anschloss. Pop, Rock, Chanson, elektronische Musik, Reggae und urbane Sounds erschienen nebeneinander, ergänzt durch Humor und Familienproduktionen. Dadurch wurde nicht versucht, eine homogene Festivalgemeinschaft zu erzeugen. Vielmehr sollte eine bestehende Gemeinde mit ihren unterschiedlichen Altersgruppen und Interessen ein gemeinsames Kulturwochenende bekommen. Gerade diese Offenheit machte Face & Si für Menschen attraktiv, die sich bei einem reinen Rock-, Rap- oder Elektrofestival vielleicht nie begegnet wären.
2014 wechselte die Veranstaltung in den Parc de Beaupuy und erhielt damit einen Ort, der das wachsende Publikum besser aufnehmen konnte. In den erfolgreichsten Jahren kamen mehr als zwanzigtausend Besucher, doch die Größe änderte nicht vollständig den sozialen Charakter des Festivals. Hunderte Freiwillige aus der Region übernahmen zentrale Aufgaben von Gastronomie und Bars bis zu Zugängen, Reinigung und Betreuung. Diese sichtbare Beteiligung verlieh Beaupuy eine andere Atmosphäre als einem vollständig kommerzialisierten Großfestival. Gleichzeitig erlaubte der Park unterschiedliche Geschwindigkeiten innerhalb eines Tages. Familien konnten früh kommen und Angebote nutzen, kleinere Acts sorgten für Entdeckungen, Straßendarsteller bewegten sich durch das Gelände und am Abend konzentrierte sich die Menge auf die größeren Shows. Face & Si musste sich nicht entscheiden, ob es Volksfest oder regional bedeutendes Musikereignis sein wollte. Über Jahre entstand gerade aus dieser Doppelrolle seine Identität.
Zur fünfundzwanzigsten Ausgabe im September 2024 wurde diese Idee räumlich in drei Bereiche gegliedert. Das Grand Chapiteau nahm mehrere tausend stehende Zuschauer auf und präsentierte Louis Bertignac, Naïve New Beaters, Les Yeux d’la Tête, 47Ter, Ridsa, Roland Cristal, Colt und Dynamite Shakers. Im Petit Chapiteau lief mit Pitt Ocha von Les Ogres de Barback ein familienorientiertes Bühnenprogramm in deutlich kleinerem Rahmen. Das kostenlose Village ergänzte Gastronomie, Bars, Holzspiele, Kinderangebote, Walking Acts, Nachwuchsprogramme und DJ-Sets. So konnte Beaupuy gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllen. Ein Teil der Besucher kam gezielt wegen eines Headliners, andere verbrachten Stunden im kostenlosen Bereich, und Familien konnten zwischen Bühnen und Aktivitäten wechseln. Besonders der Sonntag zeigte, wie weit Face & Si sich vom klassischen Modell eines Festivals entfernt hatte, bei dem das gesamte Erlebnis auf den größten Namen des Abends zuläuft.
Nach dieser Jubiläumsausgabe endete die Geschichte. Steigende Produktionskosten, höhere Künstlergagen und rückläufige Besucherzahlen belasteten das kommunal gestützte Modell zunehmend, bis die Veranstaltung nach 2024 eingestellt wurde. Im Parc de Beaupuy entstand später ein neues, kostenloses Fest mit einem anderen Namen und einer anderen Struktur, doch Face & Si selbst blieb abgeschlossen. Sein Vermächtnis besteht deshalb nicht nur aus der langen Liste bekannter Künstler. Ebenso wichtig waren die Freiwilligen, Familien, lokalen Partner und die Vorstellung, dass Kultur für ein Wochenende möglichst viele Altersgruppen gleichzeitig erreichen sollte. Fünfundzwanzig Ausgaben lang war Beaupuy Anfang September ein Ort, an dem sehr unterschiedliche Menschen nebeneinander feiern konnten, ohne dieselbe Musik mögen zu müssen. Ausgerechnet diese stilistische Uneinheitlichkeit wurde im Laufe der Zeit zur stärksten Form von Kontinuität.
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