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HIP HOP - SOUL
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1 Editionen zum Entdecken · Zukunft, live und Vergangenheit
2023Boston Art and Music Soul Fest 2023
Zahlen, Heimatort und Eigenheiten
Black Music gehörte zu Franklin Park, lange bevor BAMS Fest dort seine erste Bühne aufbaute. Unweit des Playstead Field stehen die Ruinen des Overlook Shelter, die mit Elma Lewis verbunden sind. Sie verwandelte diesen Bereich in den 1960er-Jahren mit Playhouse in the Park in einen Ort für Kunst, Konzerte und Black Community Life. Jahrzehnte später entschied sich Catherine T. Morris bewusst für genau dieses Umfeld, als sie den Boston Art & Music Soul Festival dorthin brachte. Franklin Park ist deshalb keine austauschbare Grünfläche mit ausreichend Platz für eine Bühne. Das Gelände trägt eine Geschichte, an die BAMS anknüpft. Im Kern geht es seitdem um eine sehr Boston-spezifische Frage: Wer darf öffentlichen Kulturraum nicht nur besuchen, sondern ihn sichtbar mit der eigenen Geschichte, Musik und Wirtschaft prägen?
Morris kam dieser Frage näher, nachdem sie Boston zunächst verlassen hatte. In Philadelphia studierte sie und arbeitete im Umfeld großer Veranstaltungen, während Black Festivals, Musiker und Institutionen dort wesentlich selbstverständlicher Teil des öffentlichen Stadtbilds wirkten. Nach ihrer Rückkehr gründete sie BAMS Fest, Inc., setzte eigenes Geld ein und verbrachte mehrere Jahre mit kleineren Konzerten, Panels, Ausstellungen und Poetry-Veranstaltungen. Damit entstand zunächst ein Netzwerk, bevor der große Platz kam. Ihre erste Bewerbung für Franklin Park wurde als zu ambitioniert abgelehnt. Sie versuchte es erneut. Am 23. Juni 2018 fand schließlich die erste Ausgabe statt, trotz kaltem Regen. Rund 2.200 Menschen kamen. Für eine junge Organisation war diese Menge unter schlechten Wetterbedingungen ein ziemlich eindeutiger Beleg dafür, dass der Bedarf längst existierte.
Von Anfang an sollten lokale Künstler dabei keine namenlosen Öffner vor einem nationalen Headliner sein. Kindred the Family Soul beendete die Premiere, doch Boston-Musiker wie Valerie Stephens bekamen einen großen Auftritt in einer Stadt, in der solche Möglichkeiten für Black Artists keineswegs selbstverständlich waren. 2019 folgte Eric Roberson; später kamen D Smoke, Grandmaster Flash, Rapsody, BJ the Chicago Kid, Lalah Hathaway, Durand Bernarr und Little Brother hinzu. BAMS wird jedoch erst vollständig verständlich, wenn diese Namen neben Edo.G, Amanda Shea, Haasan Barclay, lokalen DJs, Poeten und Tänzern stehen. R&B, Hip Hop, Soul, House, Jazz, Reggae und Spoken Word teilen sich denselben Raum, weil nicht ein enges Genre kuratiert wird, sondern eine breitere Black Creative Culture.
Franklin Park übersetzt diese Idee räumlich. Bostons größter öffentlicher Park grenzt an Roxbury, Dorchester, Jamaica Plain und andere Stadtteile mit bedeutenden Black und Brown Communities. Auf dem Playstead Field bleibt deshalb nicht alles auf die Mainstage ausgerichtet. KidChella schafft eine Bühne für junge Talente, Beat Feet macht afro-diasporische Tanzstile zum Mitmachprogramm, Vendor Village bringt kleine Unternehmen direkt mit Tausenden Besuchern zusammen, und Soul Food Row spiegelt verschiedene kulinarische Traditionen wider. Ein Nachmittag kann von einem Rap-Set zu Spoken Word, Tanzunterricht, einem lokalen Designer und zurück zu einer großen R&B-Show führen. Diese Bewegungen wirken nicht wie Ablenkungen vom eigentlichen Festival; sie sind das Festival, weil Kultur hier gleichzeitig Musik, Bewegung, Essen, Unternehmertum und soziale Nähe meint.
Die Pandemie testete, ob diese Gemeinschaft auch ohne das Feld bestehen konnte. 2020 fiel die Präsenzveranstaltung aus, 2021 entstand mit Amplify the Soul eine digitale Reihe, die Künstler weiterhin bezahlte und Zuschauer weit außerhalb von Massachusetts erreichte. Beim physischen Comeback 2022 kamen mehr als zehntausend Menschen nach Franklin Park. Danach erweiterte BAMS seine Rolle weiter. 2023 kamen professionelle Workshops und Austauschformate für Künstler hinzu; 2024 erstreckte sich das Hauptfestival über zwei Tage, unter anderem mit Rapsody und BJ the Chicago Kid. Die Veranstaltung war damit nicht mehr nur ein jährlicher Konzerttag. Sie entwickelte sich zugleich zu Marktplatz, Lernplattform, Netzwerk und öffentlichem Beweis dafür, dass Greater Boston sehr wohl über eine große Black Creative Economy verfügt, auch wenn diese in traditionellen Strukturen nicht immer sichtbar wird.
Wachstum bedeutete jedoch nie unbegrenzte Möglichkeiten. Bauarbeiten rund um White Stadium verkleinerten 2025 die nutzbare Fläche in Franklin Park erheblich, sodass das Festival von zwei Tagen wieder auf einen zurückgehen musste. Lalah Hathaway, Durand Bernarr und Little Brother führten das Programm an, lokale Künstler und die gewohnten Bereiche für Kinder, Tanz, Essen und Unternehmen blieben bestehen. Gleichzeitig erreichte BAMS seinen bisher größten Besucherandrang. Darin lag eine schwierige Ironie: Je stärker das Publikum das Festival annahm, desto knapper wurden Raum und finanzielle Spielräume. Niedrige Zugangsschwellen und Solidarity Tickets gehören zur Mission, doch Künstlerhonorare, Sicherheit, Technik und Personal müssen trotzdem finanziert werden. Gerade eine Veranstaltung, die Inklusion nicht nur behauptet, kann wirtschaftlich besonders verletzlich werden.
2026 wurde diese Spannung so groß, dass die äußere Form sich deutlich veränderte. Das traditionelle Signature Festival wurde bis Juni 2027 pausiert, während MOMENTUM verschiedene Veranstaltungen über Greater Boston verteilte. Am 27. Juni fand dennoch BAMS Festival: Play Playe Edition statt. Ursprünglich wieder für Franklin Park gedacht, zog die Veranstaltung wegen steigender Produktionskosten und einer Finanzierungslücke zu The Record Co. in Dorchester um. Auch die musikalische Hierarchie änderte sich. Statt großer Live-Bands führte DJ Jazzy Jeff ein DJ-orientiertes Programm an, ergänzt durch Tanz, Spiele, Nachwuchskünstler, Essen und lokale Unternehmen. Es war eine pragmatische Sparmaßnahme und zugleich ein ungeplanter Test: Welche Bestandteile fühlen sich noch nach BAMS an, wenn das klassische Festivalgerüst für ein Jahr fehlt?
Für Juni 2027 ist die Rückkehr des traditionellen Formats angekündigt, ohne dass bisher exaktes Datum, Gelände oder Line-up feststehen. Diese Rückkehr wird deshalb mehr bedeuten als einen neuen Headliner. Franklin Park hatte BAMS mit Elma Lewis und einer älteren Black Cultural History verbunden; 2026 zeigte gleichzeitig, wie abhängig selbst ein erfolgreiches Community-Festival von Bauprojekten, Finanzierung und verfügbarem öffentlichen Raum bleibt. Morris gründete BAMS, weil Black Creativity in Boston nicht dauerhaft in kleinen Nebenräumen stattfinden sollte. Jahre später ist die Herausforderung komplexer geworden. Niemand muss mehr beweisen, dass Menschen kommen wollen. Entscheidend ist, ob die Stadt und ihre Institutionen langfristig genügend materiellen Raum schaffen, damit diese Menschen auch gemeinsam sichtbar bleiben können.
Genres
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